Nicht nur gebürtigen Ostdeutschen läuft beim Anblick von "Komet-Grütze" und "Rotkäppchen-Sekt" das Wasser im Mund zusammen.
Durch das "Klein-Erzgebirge", den Laden von Elvira Frömmrich, zieht der Geruch von Spreewaldgurken und deftigen sächsischen Knackwürsten. Die Regale in dem winzigen Geschäft sind randvoll mit traditionsreichen Ost-Importen: "Halberstädter Würstchen", "Bautzner Bärlauchsenf" oder "Schlagersüß-Schokoladentafeln", steht auf den Etiketten. Und natürlich "Rondo-Kaffee" aus Magdeburg. "Mit Zucker geröstet, der ist ganz mild", sagt schwärmerisch Hans-Peter Frömmrich, der im Wechsel mit seiner Frau hinter der Ladentheke steht. "Ein solches Sortiment an Ostprodukten finden Sie auch in Leipzig nur mit Mühe."

Immer Zeit für einen Plausch
Seit dem vergangenen Sommer bieten die gebürtigen Sachsen im Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen reichlich Ost-Kost im gemütlichen Tante-Emma-Ambiente feil. Die meisten Kunden, die sich bei Frömmrichs mit "Karo-Zigaretten" oder "Vita-Cola" eindecken, sind zugezogene Ostdeutsche. Aber auch viele Schwaben treibt die Neugier in das Geschäft, wo im Schaufenster Räuchermännchen aus dem Erzgebirge vor sich hin paffen. "Vielleicht 30 Prozent unserer Kunden", schätzt Frömmrich, "sind alteingesessene Stuttgarter." Neben dem Einkauf bleibt immer Zeit für einen Plausch. Die meisten Kunden werden mit Namen begrüßt.

Qualität der Ostprodukte
Natürlich richte sich das Angebot auch an "Ost-Nostalgiker", sagt der 47-Jährige, der mit seiner Familie schon 1981 aus der damaligen DDR nach Süddeutschland gekommen ist. Viele kämen aber auch wegen der besonderen Qualität vieler Ostprodukte: "In der DDR war schließlich nicht alles schlecht."
Das Geschäft mit den Ost-Importen boomt: "Manche Kunden kommen sogar aus Pforzheim zum Einkaufen hierher." Seit kurzem schicken die Frömmrichs ihr Sortiment als "rollenden Ossiladen" auf dem Anhänger durch Baden-Württemberg, ein zweites Geschäft im Kreis Esslingen ist geplant.
Schwierigkeiten bereitet nur die Logistik. Die Ware bezieht die Familie direkt von den Herstellern. Es handelt sich ausnahmslos um alte DDR-Marken, die im Osten heute noch Verkaufsschlager sind, die aber in Westdeutschland kaum einer kennt. "Die Lieferwege sind lang, vieles muss man gleich palettenweise bestellen", sagt Frömmrich. Kommt es mal zu Engpässen, nimmt man das im "Ossiladen" aber gelassen: "Dann heißt es eben wie früher in der DDR: Haben wir gerade nicht."