Die von der "AG Senioren" der PDS gestiftete Reliefplatte mit dem nach links schauenden Marx-Kopf füllt dabei nur eine Lücke.
Denn bereits bis 1990 zierte der am 14. März 1883 in London gestorbene Denker einen großen Findling in der nach ihm benannten Straße; dann wurde die Denkmal-Platte gestohlen. Vor Marx war der Stein von 1904 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 dem ehemaligen Reichskanzler Otto von Bismarck gewidmet.
"Good bye, Bismarck! - Welcome Karl Marx" überschrieb die Stadtverwaltung ihre Pressemitteilung zu Marxens Rückkehr. Die Stadtverordnetenversammlung hatte im August 2002 zu befinden, ob - wie von der CDU gewünscht - Bismarck wieder zu Ehren kommen sollte. Durch die Schenkung des 3000 Euro teuren Denkmals ebnete aber schließlich die PDS den Weg für Marx: 25 der 31 Abgeordneten stimmten für die Plakette, 17 mehr als für die Partei im Stadtparlament sitzen.
Der bärtige Denker prägt auch andernorts in Brandenburg das Stadtbild. So ist er in Frankfurt (Oder) und Brandenburg/Havel immer noch allgegenwärtig. Dass Marx immer noch für Kontroversen gut ist, zeigt der Fall Neuruppin: Dort wurde im November 2000 die örtliche Büste nach einem Standortwechsel wiederaufgestellt. "Wir Demokraten werden uns diese Unverschämtheit der Post-Kommunisten nicht gefallen lassen", polterte der damalige Generalsekretär der Brandenburg-CDU Thomas Lunacek.
In Fürstenwalde bleiben die Gemüter dagegen auffallend ruhig: "Westjournalisten rufen an und fragen: Galoppiert jetzt wieder der Kommunismus?", berichtet Stadt-Sprecherin Anne-Gret Trilling laut lachend. "Das können viele hier nicht ganz nachvollziehen." Und so sehen es die meisten. Ein Denkmal sei wieder hergestellt, ein Stadtpark verschönert. Von Seiten der CDU erscheint niemand in offizieller Mission. Eine Passantin sieht die Enthüllung eher "mit gemischten Gefühlen".
"Niemand sollte vermuten, dass die Fürstenwalder auf die Wiederkehr des real existierenden Sozialismus warten", sagt Bürgermeister Manfred Reim (FDP). Es sei zwar nicht zu erwarten, sagt Trilling, aber fügt scherzhaft hinzu: "Wenn es mit Karl Marx besser laufen sollte, geben wir die Erfahrung gerne weiter."