Ein Abgrund, dessen Anblick die Griechen nun an der Glaubwürdigkeit des konservativen Regierungschefs zweifeln lässt, war er doch mit der Zusage angetreten, die Schwäche des Staates zu bekämpfen. Dieser aber zeigte sich ohnmächtig im Angesicht der Katastrophe. Nur das mangelnde Profil seines Konkurrenten Giorgos Papandreou könnte Karamanlis bei den Wahlen am Sonntag doch noch zu einem knappen Sieg verhelfen.
66 Menschen starben durch die verheerenden Brände, auf die die staatliche Maschinerie mit erschreckender Hilflosigkeit reagierte. Karamanlis zeigt sich reuig, kämpft in endlosen Fernsehauftritten, Wahlkampfveranstaltungen und Lokalterminen gegen den Wählerschwund seiner Partei Neue Demokratie (ND). Doch seine Kritiker werfen ihm vor, dass er seit seinem Amtsantritt 2004 genau diese Reformen hat schleifen lassen. Die wirklich heißen Eisen, wie die von der EU geforderte Rentenreform oder der von ihm zugesagte Kampf gegen die wuchernde Korruption, hat der konfliktscheue Mann nicht angefasst. "Das ist vielleicht sein größtes Versagen", sagt ein europäischer Diplomat, "dass er den moralischen Kampf nicht gewonnen hat."
Von dieser Schwäche der Regierung wird aber nicht unbedingt Oppositionsführer Papandreou profitieren. Der Spross einer traditionellen Sozialistendynastie müht sich dreieinhalb Jahre nach seiner Übernahme des Parteivorsitzes immer noch damit, den Spagat zwischen seinem traditionsreichen Namen und der unabdingbaren Erneuerung der Partei hinzubekommen.
In dieser Lage könnte es Experten zufolge einen lachenden Dritten geben: Die rechtsextreme Partei Laos unter ihrem Chef Giorgos Karatzaferis stand in Umfragen schon vor den Waldbränden bei drei Prozent der Stimmen und damit an der Schwelle zum Einzug ins Parlament.