Der US-General ist nach dem Eindruck von Soldaten seiner internationalen Bosnien-Friedenstruppe fest entschlossen, die Jagd auf den als Kriegsverbrecher gesuchten Ex-Serbenführer noch in diesem Jahr erfolgreich zu beenden. Und nach Angaben von Paddy Ashdown, des internationalen Verwalters in Bosnien, wurde jetzt der Druck auf das Umfeld des seit rund acht Jahren Gesuchten verstärkt.
Es geht dabei um die Austrocknung von Finanzquellen, Ausschaltung von Informanten und Fluchthelfern, mit deren Hilfe sich Karadzic und sein Armeechef Ratko Mladic bisher jedem Zugriff entzogen haben. Beiden wirft das UN-Tribunal in Den Haag die schwersten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg vor. Dazu werden die Ermordung von mehr als 7000 Muslimen im Sommer 1995 bei Srebrenica und die jahrelange Belagerung und der Artilleriebeschuss von Sarajevo gerechnet.
Selbst ein Kopfgeld in Höhe von sieben Millionen Dollar, das die USA und die bosnische Regierung ausgesetzt haben, konnte nicht zur Festnahme der meistgesuchten Männer Europas führen. In den bosnischen Serbengebieten gelten sie immer noch als Volkshelden. Ihre Poster hängen in Schaufenstern und werden an Häuserwände geklebt. Extremisten tragen T-Shirts mit ihren Konterfeis und Aufschriften "Wir alle sind Radovan". Nicht viel anders ist es in Serbien selbst.
Die von der Nato geführte Friedenstruppe Sfor hat Karadzic vor einem Monat bei einer mehrtägigen groß angelegten Suchaktion an seinem früheren Amts- und Wohnsitz in Pale offensichtlich beinahe geschnappt. Während er verschwunden blieb, wurden zwei Männer festgenommen, die zum engsten Umfeld des 58-jährigen früheren Psychiaters gehören sollen. Einer von ihnen soll in Vernehmungen umfangreich über Karadzic-Fluchtwege und Helfer ausgesagt haben, heißt es inoffiziell in Sarajevo. Inzwischen wurde er aus der Haft entlassen.
Solche Informationen haben Spekulationen in Serbien Nahrung gegeben, dass Karadzic sich in die Hauptstadt Belgrad abgesetzt haben könnte. Carla Del Ponte, Chefanklägerin des UN-Tribunals, geht jedenfalls davon aus und vermutet dort auch das Versteck von Mladic. Die Regierung Serbiens wies dies umgehend zurück.
Karadzic könnte sich allerdings nach Einschätzung politischer Beobachter in Serbien sicherer fühlen als zur Regierungszeit des im vergangenen März ermordeten Ministerpräsidenten Zoran Djindjic. Dieser hatte den jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic an das UN-Gericht ausgeliefert und auch die Festnahmen anderer Angeklagter zugesagt. Nach dem Mord an Djindjic wurde wiederholt über eine "Anti-Haag-Lobby" der Milosevic- und Karadzic-Anhänger als Verantwortliche für die Tat spekuliert.
Die Djindjic-Demokraten haben unlängst die serbischen Parlamentswahlen verloren und die Sieger, die extremen Nationalisten aus der Radikalen Partei und der nationaldemokratische Vojislav Kostunica, der sich um eine Regierungsbildung bemüht, lehnen eine Zusammenarbeit mit dem UN-Tribunal weit gehend ab. "Dies ist für uns keine Priorität", sagt Kostunica. Das klingt für politische Beobachter auch keinesfalls so, als werde sich Belgrad intensiv um die Festnahme der einstigen Regimegrößen bemühen.