Michal Maillis ist "ein bisschen aufgeregt", wie er der RUNDSCHAU sagt, und deshalb hat er sich schon mal etwas aufgeschrieben für sein Treffen heute in Athen mit der Kanzlerin.

Der gebürtige Grieche, der einst in Clausthal-Zellerfeld studierte, steht der griechisch-deutschen Handelskammer vor und wird zu jenen Wirtschaftsvertretern gehören, mit denen Angela Merkel sprechen will, nachdem sie zuvor bei Ministerpräsident Antonis Samaras und Präsident Karolos Papoulias gewesen ist.

Maillis hat eine zentrale Erwartung an die Kanzlerin: Dass sie ein klares Bekenntnis abgibt, wonach Griechenland "unbedingt" im Euro bleiben soll. Die Kanzlerin wird das bei ihrem ersten Besuch in Athen seit dem Ausbruch der Schuldenkrise wohl tun, aber nicht ohne Wenn und Aber.

Nämlich wenn Griechenland auch seine Spar- und Reformpflichten erfüllt. Aber um das zu bewerten, bleibt der Bericht der Troika aus EU, IWF und EZB abzuwarten. Das sind die beiden einschränkenden Botschaften, die jedenfalls ihr Regierungssprecher am Vortag verkündet.

Ein eisiger Wind dürfte der Kanzerin heute in Griechenlands Hauptstadt entgegewehen. Ganz Athen wird eine Festung sein, die Gewerkschaften wollen die Innenstadt und den Sitz des Ministerpräsidenten blockieren. 7000 Polizisten sind in die Hauptstadt beordert, Ausnahmezustand. Merkels Kolonne wird streng abgeschirmt vom Flughafen zu den ebenso abgeschirmten Treffpunkten rasen. Sechs Stunden sind für den Besuch eingeplant. Die Akropolis lässt nur aus der Ferne grüßen.

Deutschland ist für die Griechen wegen seines Gewichts im Euro-Raum tatsächlich eine Großmacht, die entscheidende. Und Angela Merkel ein Feindbild, jede Menge Nazivergleiche inklusive. Das übrigens findet Maillis nicht gerecht. Die Töne aus Berlin, sagt er, seien in letzter Zeit viel freundlicher geworden, nicht nur von der Kanzlerin, auch von ihren Ministern. Wie zum Beweis sagt Merkels Sprecher Steffen Seibert in Berlin, dass die Maßnahmen der griechischen Regierung "Respekt" verdienten. Das große Problem des Besuches aber werden Merkels Wenns und Abers sein. Sie wird nicht eindeutig zusagen können, dass Griechenland im Euro bleibt, und auch nicht, dass das Land weitere 31 Milliarden Euro vom am gestrigen Montag gestarteten Rettungsschirm ESM als Staatsanleihen bekommt. Das muss die Troika entscheiden.

Ministerpräsident Samaras wird flehen, dass sein Land pleite sei, wenn das Geld bis November nicht fließe. Und Leute wie Maillis werden eindringlich darlegen, dass nur mit diesem Geld die Banken rekapitalisiert werden können, was nötig ist, damit überhaupt wieder Kredite für die Unternehmen fließt. Und dass nur mit dieser neuen Hilfe auch die Regierung ihre ausstehenden Rechnungen bei ihren heimischen Firmen von sieben Milliarden Euro zahlen kann.

Der Wirtschaftskreislauf müsse nach drei Jahren schwerer Rezession in Folge wieder in Gang kommen, beschwört der Unternehmer, und deshalb müsse Europa Vertrauen haben. "Wir wissen, dass wir die versprochenen Reformen umsetzen müssen, und das wird auch geschehen", verspricht er.

So werden alle in Athen heute reden, und die Kanzlerin wird im Gegenzug nach dem Stand des nächsten Sparprogramms von 13,5 Milliarden Euro fragen " gegen das die Leute draußen auf den Straßen wütend protestieren, weil es so vielen Menschen sowieso schon so schlecht geht. Es wird kein einfacher Besuch werden in Athen. Für alle Beteiligten nicht.