"Das Kyoto-Protokoll umfasst nicht die beiden größten Emittenten, die USA und China, und kann somit nicht funktionieren", sagte Kent. Kanada, Japan und Russland hatten im vergangenen Jahr bereits angekündigt, einer Verlängerung des Abkommens nicht zustimmen zu wollen.

Der Rückzug aus dem Protokoll ist aber ein weiterer Schlag für das Abkommen, dass 1997 mit großen Hoffnungen verabschiedet wurde. Die Entscheidung Kanadas war aber keine Überraschung mehr. Erste Berichte gab es schon während der Marathonverhandlungen in Durban, was auch schon zu internationaler Kritik führte.

Kent bezeichnete die Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls als einen der größten Fehler der vorigen Regierung. "Es ist jetzt deutlich, dass Kyoto nicht der Weg hin zu einer weltweiten Lösung beim Klimawandel ist. Es ist allenfalls ein Hindernis", erklärte der Umweltminister.

Gemäß Vereinbarung ist ein Land verpflichtet, einen Ausstieg aus dem Protokoll ein Jahr im Voraus bekannt zu geben. Kent erklärte, mit dem Schritt spare Kanada 14 Milliarden Dollar (10,5 Milliarden Euro) an Strafzahlungen für das Nichteinhalten der im Protokoll gesetzten Ziele. Um die Ziele unter Kyoto 2012 zu erreichen, hätte Kanada entweder jedes Fahrzeug von der Straße nehmen oder den gesamten Landwirtschaftssektor schließen und die Heizung jedes Gebäudes in Kanada kappen müssen, sagte Kent. Kanada produziere kaum zwei Prozent des weltweiten Treibhausgasausstoßes. Die Regierung der Liberalen habe das Kyoto-Protokoll damals unterzeichnet, aber nie beabsichtigt, dessen Ziele wirklich zu erreichen. Er erklärte jedoch, dass die Vereinbarung von Durban für ein neues Protokoll mit verbindlichen Zielen für alle Länder ab 2020 der richtige Weg für die Zukunft sei: "Es erlaubt uns, weiter Stellen zu schaffen und Wachstum in Kanada zu fördern." Kanada fühle sich dem Kampf gegen den Klimawandel verpflichtet, solange er für alle Länder gerecht sei. Er wäre nicht überrascht, wenn andere Länder sich ebenfalls aus dem Kyoto-Protokoll zurückzögen, sagte Kent.

Die konservative Regierung von Ministerpräsident Stephen Harper will vor allem die boomende Ölsandindustrie schützen, die erheblich zum steigenden Treibhausgasausstoß Kanadas beigetragen hat und ein Grund ist, warum das Land die Kyoto-Ziele verfehlen wird. Kanada hat zudem die drittgrößten Ölreserven der Welt, mehr als 170 Milliarden Barrel. Nur Saudi-Arabien und Venezuela haben meh r.

Kents Ankündigung stieß umgehend auf die Kritik von Umweltverbänden. Hannah McKinnon von der Gruppe Climate Action Network Canada nannte den Schritt einen Schlag ins Gesicht der internationalen Gemeinschaft und völlig unverantwortlich. Die Abgeordnete der oppositionellen Neuen Demokraten, Megan Leslie, erklärte, Harper verhalte sich wie ein Kind, das wisse, dass es die Klasse nicht schaffe und deshalb dann lieber vorzeitig die Schule verlass e.

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zum themaDas Kyoto-Protokoll ist das bisher wichtigste internationale Instrument zum Klimaschutz. Auf der Weltklimakonferenz im japanischen Kyoto 1997 hatten sich die 160 Vertragsstaaten auf dieses Abschlussprotokoll mit völkerrechtlich verbindlichen Vorgaben geeinigt. Sie verpflichteten sich, den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen von 2008 bis 2012 um mindestens fünf Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 zu senken. 2012 läuft das Abkommen aus. Von minus acht bis plus zehn Prozent reichten die Vorgaben für die einzelnen Länder. Kanada sollte den Ausstoß der sechs Treibhausgase um sechs Prozent mindern - so wie auch Japan, Polen und Ungarn. Auch Wälder und Böden durften dabei in bestimmten Grenzen als Klimaschutzbeitrag einberechnet werden, da sie Kohlenstoff speichern. Vor allem waldreiche Länder wie Kanada und Russland profitierten von dieser Möglichkeit. In Kraft trat das Protokoll 2005 einige Wochen nach dem offiziellen Beitritt Russlands. Um das Vertragswerk in Kraft zu setzen, mussten ihm 55 Staaten beigetreten sein, auf die mindestens 55 Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes der Industrieländer von 1990 entfielen. Die USA haben es nie ratifiziert.