„Wir haben ein
sehr preiswertes
Verfahren für
den Bau von
unterirdischen
Dichtungs-
wänden
entwickelt“
 Friedrich-Carl Benthaus,
Leiter Geotechnik
der LMBV


„Bei uns klopfen viele Ingenieurbüros an, die ihre Ideen zur Verbesserung der Wasserqualität umsetzen wollen“ , sagt Klaus Zschiedrich, Technischer Leiter der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV). Platz dafür wäre genug, denn in Südbrandenburg und Ostsachsen entstehen rund 30 Tagebauseen, etwa die Hälfte davon miteinander verbunden als eine Kette zwischen Hoyerswerda und Senftenberg. Doch die LMBV, von Bund und Ländern mit der Sanierung des DDR-Altbergbaus beauftragt und dafür auch finanziert, hat bereits vor Jahren zusammen mit Wissenschaftlern der BTU Cottbus und anderen Forschungseinrichtungen eigene Untersuchungen auf den Weg gebracht. Inzwischen haben einige Vorhaben einen Praxistest hinter sich. Eine neu entwickelte Elektrolysetechnik muss ihn in diesem Jahr bestehen.
Hintergrund ist die Versauerung der Tagebaugewässer durch Stoffe, die mit dem aufsteigenden Grundwasser aus den Kippen gespült werden. Das parallele Einleiten von Flusswasser wirkt dem entgegen. Doch eingeleitet werden kann nur, was Niederschläge in Spree, Neiße und Schwarze Elster spülen, und was nicht für Speicherbecken wie den Spremberger Stausee und als ökologisch notwendige Mindestwassermenge im Fluss benötigt wird.
Erste Hochrechnungen Mitte der 90er-Jahre, die von 200 bis 250 Millionen Kubikmetern Flutungswasser pro Jahr ausgingen, wurden schnell nach unten korrigiert. Der extrem trockene Sommer 2003 wirbelte die Prognosen zusätzlich durcheinander, auch wenn das nasse Jahr 2005 den Rückstand weitgehend wettmachte. Die Ungewissheit großer Niederschlagsschwankungen bleibt.
Seit Jahren werde deshalb mit Hochdruck an technischen Maßnahmen gegen das Säureproblem in den Tagebauseen gearbeitet, so Zschiedrich. Ein Pilotprojekt ist die „reaktive Wand“ zwischen Partwitzer und Sedlitzer See. Sie soll wie ein Filter saures Grundwasser neutralisieren.
„Diese Wirkung ist jedoch nur halb so groß, wie wir erwartet haben“ , fasst Friedrich-Carl Benthaus, Leiter Geotechnik der LMBV, die Messergebnisse nach zwei Jahren Praxistest zusammen. Trotzdem sei die Wand kein Flopp. „Wir haben dabei ein sehr preiswertes Verfahren für den Bau von unterirdischen Dichtungswänden entwickelt“ , sagt Benthaus.
In den Praxistest geht in diesem Jahr bei der LMBV eine Elektrolyseanlage, die Sulfat abscheiden soll. Tausende Tonnen dieses Minerals, das ebenfalls aus dem Kippenboden ausgewaschen wird, belasten alljährlich Tagebauseen und Spree. Das soll sich nun ändern. „Die bisherigen Ergebnisse der Pilotanlage sind vielversprechend“ , sagt Zschiedrich.
Als wenig tauglich für ein Zurückdrängen des Säuregehaltes in den entstehenden Seen hätten sich mikrobiologische Verfahren erwiesen, sagt Zschiedrich. „Sie sind aber wirkungsvoll für die Nachsorge, wenn das Wasser annähernd Neutralwerte erreicht hat.“ Denn auch wenn die Restlöcher gefüllt sind, kann sich die Wasserqualität noch lange immer wieder verändern.
„Vielleicht werden wir ein Schiff einsetzen, das verschiedene technische Möglichkeiten zur Verbesserung der Wasserqualität bietet“ , nennt Klaus Zschiedrich neueste Überlegungen, die gerade bei der LMBV geprüft werden. Schließlich würden die Seen miteinander verbunden, sodass das Schiff immer dorthin fahren könnte, wo es Probleme gibt. Abgeguckt habe man sich die Sache von den Berliner Gewässern, wo im Sommer ein Schiff unterwegs ist und Sauerstoff ins Wasser pumpt, wenn der zu knapp wird.
Schneller als ursprünglich geplant soll nun der Ilse-See gefüllt werden, dessen Flutung in der nächsten Woche beginnt. Steigt das Wasser dort nicht rasch genug, so die Erkenntnisse bei den LMBV-Fachleuten, entsteht ein unterirdisches Grundwassergefälle, das wie auf einer Rutschbahn verstärkt saure Stoffe in den Ilse-See spült. Möglichst schon 2015, drei Jahre früher als bisher vorgesehen, soll der Ilse-See deshalb fertig werden, so das anvisierte Ziel.