Wie viele Menschen in der Lausitz Crystal konsumieren, kann niemand genau sagen. Schätzungen zufolge sind es Tausende Süchtige. In Sachsen hat sich von 2011 bis 2014 die Zahl der Klienten, die wegen Gebrauchs von Aufputschmitteln eine Beratungsstelle aufsuchen, auf knapp 5000 verdoppelt. 97 Prozent von ihnen nehmen Crystal. Eine einzelne Therapie kostet zwischen 30 000 und 50 000 Euro. Entsprechend ist mit Millionenkosten zu rechnen.

Angesichts solcher Zahlen wird der Ruf nach Gegenstrategien laut. Mehr Polizisten sind das eine. Sowohl Brandenburg als auch Sachsen wollen wieder mehr Beamte einstellen. In der Polizeiinspektion Senftenberg ist das Sachgebiet Rauschgift wieder ins Leben gerufen worden. Der Zoll an der deutsch-tschechischen Grenze hat 25 neue Stellen bekommen.

Als wichtiger gilt die Prävention. Und hier besteht gerade in Teilen Südbrandenburgs Nachholbedarf. "Das kann die Polizei allein nicht abdecken", sagt Torsten Wendt, Sprecher der Polizeidirektion in Cottbus. Michael Leydecker, Leiter der Suchtberatung Tannenhof, sieht vor allem Bedarf bei der Suchtberatung. Städte wie Cottbus seien schon gut aufgestellt, einige Landkreise nicht. "Sprechzeiten von zwei Stunden, zweimal die Woche, reichen nicht aus. Da tauchen die Betroffenen nicht auf." So könne man das Problem kleinreden, aber nicht lösen. "Da sind die Kommunen gefordert. Und die müssen auch Geld in die Hand nehmen", sagt Leydecker.

Sachsen stellt für 2015 und das kommende Jahr 1,3 Millionen Euro für Präventionsprojekte bereit. Die Mittel für Beratungsstellen wurden von der Landesregierung auf 5,1 Millionen erhöht.

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