Nur einen Bruchteil der offiziellen Schreiben der Kreisverwaltung an Bürger im Landkreis bekommt Zalenga selbst auf den Tisch. Doch von den wenigen schickt er den einen oder anderen mit entsprechenden Randbemerkungen schon mal an den Verfasser in seiner Behörde zurück. "Diese Zeilen würde ich nie verstehen, wenn ich nicht selbst in der Kommunalverwaltung arbeiten würde", erklärt der Landrat.

Klare Sprache
Er ist überzeugt davon, dass man den Inhalt dieser Schreiben nicht unbedingt im üblichen Fachjargon, sondern auch klarer, verständlicher und damit bürgerfreundlicher ausdrücken kann. "Wir sind hier schließlich nicht der Vollstrecker des Staates, sondern in erster Linie Dienstleister für die Bürger." Gemeinsam mit Personalleiter Frank Steffen war sich Zalenga schnell einig: Um im Kampf gegen das unsägliche Behördendeutsch voranzukommen, braucht die Kreisverwaltung in Beeskow Hilfe. Bereits 2004 begann die Beeskower Behörde eine Kooperation mit einer Cottbuser Kommunikationsagentur und einem Berliner Dozenten für Sprachkultur, gründete zudem eine eigenen Arbeitsgruppe, in der sich Amtsleiter, aber auch Sekretärinnen und Sachbearbeiter mit üppigem Schriftverkehr durch das Fachchinesisch der Behördensprache kämpfen.
Selbst dort wurde schnell deutlich: Was der Mitarbeiter aus dem Bauordnungsamt schreibt, versteht schon der Kollege aus dem Kulturamt nicht mehr. In gemeinsamen Workshops entstand ein Leitfaden mit Formulierungshilfen und Musterbriefen für korrektes, aber zeitgemäßes und vor allem auch freundliches Schreiben. Statt "bezugnehmend auf Ihr Schreiben", kann es künftig heißen "zu Ihrem Schreiben" oder auch "gern greifen wir Ihren Vorschlag auf". "Wir informieren Sie schriftlich" klingt viel persönlicher als "Die Entscheidung geht Ihnen schriftlich zu".
Nicht jeder der 500 Verwaltungsmitarbeiter ist den sprachlichen Veränderungen gegenüber aufgeschlossen, was sich über Jahre eingeschliffen hat, ist bekanntlich schwer wieder abzugewöhnen. Da gibt es jene, die sich nicht trauen, Stereotypen aufzubrechen, andere, die sich in den verbleibenden Berufsjahren nicht mehr umstellen wollen. Und einige meinen sogar, in ihrem Job weitaus Wichtigeres zu tun zu haben. "Perfekt werden wir diese Sprachumstellung wohl nicht hinkriegen, aber das Bemühen, sich verständlicher auszudrücken, ist spürbar", glaubt der Landrat an diese Methode des Bürokratieabbaus.

Noch arge Bedenken
Eine ziemlich harte Nuss wollen die Beeskower Behördensprach-Pioniere im kommenden Jahr knacken: Dann sollen die meist unangenehmen, schriftlichen Bußgeldbescheide, Zwangsgelder oder Ordnungsverfügungen zumindest verständlicher formuliert werden. "Da haben wir noch arge Bedenken, ob sich sprachlich etwas ändern lässt", erklärt Personalleiter Steffen. Schließlich müssten die Bescheide rechtlich einwandfrei sein, um im Ernstfall auch vor Gericht Bestand zu haben. Deshalb bemüht sich die Arbeitsgruppe jetzt um die Mitarbeit eines Rechtswissenschaftlers.