Selbst abends galt es beim Kartenspiel knifflige Fragen zu beantworten, um das eigene Wissen zu prüfen und zu erweitern. In der Familie des Kamenzer Pfarrers Lessing wurde auf Arbeit und Fleiß jedenfalls besonders großer Wert gelegt.
Wer sich morgen auf den Weg in die Geburtsstadt des berühmten Dichters macht, erfährt wohl noch einiges mehr über Sitten und Gepflogenheiten der Vergangenheit. Zum Fest des 18. Jahrhundert nämlich taucht Kamenz genau in die Zeit ein, als Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) seine Kindheit dort verbrachte. Bis 1741 lebte der Pfarrerssohn in der Stadt, bevor er an die Fürstenschule St. Afra nach Meißen ging.

Unterricht in Geschichte
Für das Wochenende verspricht das Lessing-Museum wiederum anschaulichen Geschichtsunterricht. Die Reise geht in die Zeit um 1740, als die Stadt etwa 3000 Einwohner zählte, noch 70 Tuchmacher dort arbeiteten und in fast jedem Haus Bier gebraut wurde. Rund um das Lessing-Haus leben allerlei Personen wieder auf. Der Kamenzer Pfarrer etwa schlüpft in die Rolle von Hauptpastor Lessing und wird in der Katechismuskirche allen Versammelten gehörig Moral predigen.

Wissenswertes über Lessing
Andere haben eine Menge über den berühmten Sohn der Stadt zu erzählen. Lessings Schwester Dorothea Salome beispielsweise oder der Maler Christian Gottlieb Haberkorn, der Zeichenlehrer des Dichters gewesen sein könnte. "Wahrscheinlich hat er auch ein Kinderbild gemalt, das Lessing mit seinem Bruder zeigt", sagt Carsta Delitzscher vom Kamenzer Lessing-Museum. Das Publikum trifft auf die Güntherin, eine redselige Bürgersfrau, die viele, alte Kinderspiele kennt und diese gern mit ihren Gästen spielen will. Korbmacher, Messerschleifer, Instrumentenbauer, Steinmetz, Töpfer, Büchsenmacher und andere Handwerker zeigen und erklären den Gebrauch ihrer Werkzeuge.
Vor Gericht werden "unordentliche Begierden" verhandelt. Die Besucher erleben Lektionen in der Schulstube, Märchen, Hufeisenwerfen, Theaterspiel, die Kamenzer Stadtwache sowie ein historisches Jägerlager. Selbst erschmeckt werden soll die Vergangenheit. Dazu gibt es einfache Genüsse "für der Mensch Zung und Gurgel". Fettbemmen, Grütze, Haxen, Kartoffeln und Quark, Wasser und Wein stehen auf der Speisekarte.