Nach 23 Jahren gab die Potsdamer Polizei am Dienstag bekannt, dass zwei damals minderjährige Jungen (13 und 14 Jahre) die 16-jährige Andrea Lohagen in Bad Belzig umgebracht haben. Die Leiche hatten die Täter vergraben. Das Skelett von Andrea mit eingeschlagenem Schädel wurde erst sieben Jahre nach der Tat im Sommer 2000 gefunden. Die beiden Jungen schwiegen mehr als 20 Jahre lang eisern. Inzwischen sind beide Täter tot. Und dennoch konnte das Verbrechen aufgeklärt werden. An den Ermittlungen beteiligt war ein spezielles Team aus Eberswalde.

Axel Hetke, Chefermittler beim Landeskriminalamt Eberswalde, sieht die Arbeit seiner Spezialkommission bestätigt. "Wir gehen von Mord aus. Das Wie und Warum können wir aber nicht klären. Beide Männer sind nicht mehr am Leben", sagte Hetke am Mittwoch.

Seit fünf Jahren beschäftigt sich die zehnköpfige Mordkommission in Eberswalde ausschließlich mit Altfällen aus ganz Brandenburg. Derzeit liegen 116 nicht aufgeklärte Fälle auf den Schreibtischen der Ermittler. Zeitdruck gebe es nicht, um diese Fälle neu aufzurollen, sagte Hetke. Allerdings sei diese Arbeit sehr aufwendig und zum Teil sehr schwierig. Sie lohne sich aber. Für Andreas Eltern gebe es jetzt zumindest Gewissheit, wer für den Tod ihrer Tochter verantwortlich sei.

Die Ermittler in Eberswalde gehen generell nach bestimmten Kriterien vor. Wo ist zum Beispiel noch Spurenmaterial vorhanden? Ohne Unterbrechungen kann die Sonderkommission nach neuen Ansätzen in den Akten forschen. Was wurde vielleicht übersehen? Wo gibt es inzwischen neue Analysemethoden zur Spurenauswertung? Welche Zeugen sollten noch mal befragt werden?

Genau dieser Punkt wurde zum Schlüssel für den Fall Lohagen. Dass Mordfälle auch nach Jahren und Jahrzehnten noch geklärt werden können, belegt dieser konkrete Fall. Im Mai 2016 starb einer der Tatverdächtigen mit 37 Jahren. Nach seinem Tod offenbarten sich Mitwisser der Polizei und berichteten, dass er mit ihnen über eine Tatbeteiligung an der Tötung von Andrea Lohagen gesprochen hatte. Dabei belastete er seinen damals 13-jährigen besten Freund als Mittäter. Dieser wurde im Oktober 2016 durch Beamte der Mordkommission des LKA zu den Tatvorwürfen gehört. Mittlerweile lebte der Tatverdächtige in Österreich. Mehrere Stunden nach seiner Vernehmung verließ er seine Wohnung. Der Verdächtige hinterließ einen Abschiedsbrief, weshalb die Familie ihn sofort als vermisst meldete. Drei Tage später wurde er tot in Österreich aufgefunden: es war eindeutig Selbstmord. Sein Abschiedsbrief belegt nun neben den zahlreichen Zeugenbefragungen für die Kriminalisten, dass er der Mörder des Mädchens war. Eine Haftstrafe drohte ihm übrigens nicht. Er war zur Tatzeit 13 Jahre alt, also strafunmündig.

Zum Thema: Mord verjährt nicht. Das war jedoch nicht immer so. Bis 1969 betrug in der Bundesrepublik die Verjährungszeit 20, danach 30 Jahre. Seit 1979 gibt es keine Verjährung mehr für Mord.

Nicht jedes Tötungsverbrechen ist ein Mord. Dafür gibt es Kriterien wie Heimtücke, Grausamkeit, Verdeckung einer Straftat, Befriedigung des Sexualtriebes und andere. Totschlag verjährt nach 20 Jahren.

Bei keinem Delikt ist die Aufklärungsrate so hoch wie bei Mord und Totschlag. 99 Prozent der Fälle werden gelöst.