In der Vergangenheit hätten die Werte deutlich niedriger gelegen, bei zehn bis 13 Prozent. Wahrscheinlich spielten mehrere Ursachen eine Rolle, so Polaczek. Eine Schlüsselrolle komme den Winterbienen zu, die ausreichend Fettreserven bräuchten, um das Volk über den Winter zu bringen. Pestizide seien in der Stadt aber weniger ein Problem als auf dem Land.

Auch Brandenburger Imker hatten kürzlich heftige Verluste beklagt - dort starben laut Angaben 40 Prozent der Bienenvölker. Als Hauptursachen wurden die Varroamilbe, die Ausbreitung von Mäusen und der Klimawandel genannt.

Neben dem Imkerverband mit rund 1200 Mitgliedern, vor allem Hobby-Imkern, gibt es in Berlin zahlreiche nicht organisierte Halter. Der ganz große Stadtimker-Boom ist aus Sicht Polaczeks allerdings vorbei. "Die Leute haben begriffen, dass Imkerei Arbeit ist und auch Geld kostet." Rund 1000 Euro müssten Interessierte für den Start der ersten eigenen Bienenvölker aufbringen. "Es ist auch eine Verpflichtung, dann für die Bienen zu sorgen", sagte Polaczek. Er misst das Interesse an der Nachfrage nach kostenlosen Einführungskursen in die Imkerei, die er an der Freien Universität Berlin gibt. Der Höhepunkt sei vor etwa drei Jahren mit bis zu 165 Teilnehmern an manchen Kurstagen gewesen. Seitdem sei die Interessentenzahl wieder rückläufig.

Mit dem ersten Schwärmen der Stadtbienen rechnet Polaczek in diesem Jahr erst in diesen ersten Mai-Tagen. Das sei etwas später als zuletzt. "In früheren Jahren war es im April schon viel wärmer", so der promovierte Agraringenieur und Imkermeister. Zu dieser Jahreszeit vergrößert sich das Bienenvolk. Es versucht mit dem Schwarmtrieb, sich zu teilen und so seine Staaten zu vermehren. Imker versuchen, dies kontrolliert zu lenken.