Am heutigen Freitag tritt in Berlin erstmals der Runde Tisch der Bundesregierung zusammen. Dieser soll die Vorkommnisse in katholischen und anderen Einrichtungen wie der renommierten Odenwaldschule in Hessen aufarbeiten. "Damit kommt zum ersten Mal organisatorisch ein Versuch der gesellschaftlichen Aufarbeitung solcher Missbrauchsfälle in Gang", sagte der Minister. Zudem seien klare Verhaltensregeln im Umgang mit Kindesmissbrauch nötig. "Dabei müssen auch psychische Mechanismen sowie Strukturen in den betreffenden Einrichtungen beleuchtet werden, die diese Taten begünstigten", sagte Martens. Das sei wichtig, um solche Verbrechen künftig zu verhindern. Den Opfern gehe es aber auch um Aufklärung. "Dabei wird es natürlich Erwartungen geben, die sich nicht erfüllen lassen." Eine Wiedergutmachung werde vielfach nicht möglich sein, da viele Vorfälle 30, 40 Jahre zurückliegen. "Auch die strafrechtliche Verfolgung kann der Runde Tisch nicht vornehmen", sagte Martens. "Es geht vielmehr um Verständigung und darum, Möglichkeiten zu finden, in der Gesellschaft über das bisher Unaussprechliche und Bedingungen zu sprechen, die Wiederholungen verhindern helfen." Für noch nicht verjährte Taten gebe es Gesetze, sagte Martens und verwies auf die Möglichkeit einer bis zu 20 Jahre dauern den Verjährungsfrist ab Eintritt der Volljährigkeit. "Das Problem liegt doch vielmehr darin, dass die Fälle nicht zur Anzeige gelangen." Es brauche weniger neue Gesetze, sondern einen anderen Umgang mit Vorgängen und Vorkommnissen dieser Art, mahnte Martens. "Vorfälle, die nicht verjährt sind, müssen verfolgt werden." Hier sieht Martens die Staatsanwaltschaften in der Pflicht. "Ich wünsche den Opfern, dass sie berechtigte finanzielle Entschädigungen durchsetzen." Die Bestellung von Missbrauchsbeauftragten bei den Staatsanwaltschaften aber, wie sie seine Amtskollegin in Bayern plant, hält Martens nicht für notwendig.