Volkswagen kann die Abgasaffäre nicht abhaken: Jetzt ist mit VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch der oberste Kontrolleur des Konzerns ins Visier der Ermittler geraten. Der frühere Finanzchef steht im Verdacht der Marktmanipulation. Bereits gegen Ex-VW-Boss Martin Winterkorn und den amtierenden VW-Markenchef Herbert Diess läuft ein Ermittlungsverfahren. Die Manager sollen die Finanzwelt zu spät über den Abgas-Skandal informiert haben. Bei Pötsch beziehen sich die Ermittlungen auf die Zeit, als er Finanzchef war. Man werde die Ermittler "in vollem Umfang unterstützen", teilte VW mit. Der Konzern sei aber der Auffassung, der Vorstand habe den Kapitalmarkt ordnungsgemäß informiert. Als Finanzchef war Pötsch für die Kommunikation mit den Anlegern zuständig. Zahlreiche Aktionäre verlangen inzwischen vor Gericht einen Ausgleich für die hohen Verluste, die sie mit VW-Aktien wegen der Affäre erlitten haben - zuletzt lagen am Braunschweiger Landgericht 1400 Klagen vor. Insgesamt geht's um 8,2 Milliarden Euro.

Unterdessen berichtete die "Bild am Sonntag", die VW-Tochter Audi sei mehr in den Abgasskandal verstrickt als bisher bekannt. Die US-Umweltbehörde Carb habe eine weitere illegale Software bei einem Audi mit V6-Motor entdeckt. Diese habe Audi auch für die Manipulation von CO-Werten für Diesel und Benziner in Europa benutzt. Dem Bericht nach konnten einige Audi-Modelle an Lenkrad-Bewegungen unterscheiden, ob sie auf einem Prüfstand oder auf der Straße sind. Entsprechend sei weniger oder mehr Benzin verbraucht und CO ausgestoßen worden. Weder VW noch Audi wollten sich dazu gestern äußern.