ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:44 Uhr

Justiz beendet Verfahren um Tod eines Lausitzer Soldaten

Udo Horn glaubt nicht an die Version der Bundeswehr.
Udo Horn glaubt nicht an die Version der Bundeswehr. FOTO: jag
Berlin/Neupetershain. Das Verfahren um den Tod des Neupetershainer Soldaten André Horn ist eingestellt worden. Das teilt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Berlin, Silke Becker, auf Anfrage mit. Udo Horn, der Vater des Verstorbenen, hat nun Beschwerde eingelegt. Jan Augustin

Udo Horn ist fassungslos. "Das ist eine bodenlose Frechheit und fast wie Rechtsbeugung", sagt der Vater des im Januar 2000 im Kosovo verstorbenen André Horn. Laut Bundeswehr ist der damals 23-jährige Hauptgefreite an den Folgen einer speziellen bakteriellen Infektion gestorben. Grund für die Erregung des Neupetershainers ist der Brief der Berliner Staatsanwaltschaft, den er dieser Tage in der Hauspost fand und in dem ihm mitgeteilt wird, dass das Verfahren gegen das Bundesverteidigungsministerium eingestellt worden ist.

Auf Anfrage bestätigt diesen Fakt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Berlin, Silke Becker. Das Verfahren sei "in Ermangelung des Anfangsverdachts einer verfolgbaren strafbaren Handlung eingestellt" worden. "Ein Ursachenzusammenhang zwischen dem Tod des Soldaten und einer Vergiftung von DU (Depleted Uranium als Emission aus der Verwendung uranhaltiger Munition) oder Blei war und wäre nicht feststellbar", so Becker.

Genau diesen Zusammenhang will aber Udo Horn gemeinsam mit Wissenschaftlern herausgefunden haben. Eine Untersuchung der im Rasierapparat verbliebenen Barthaare von André Horn habe zum Beispiel ergeben, dass die Bleikonzentration mit 276 Mikrogramm je Gramm Haar im potenziell gesundheitsgefährdenden Bereich liege. Im Oktober 2013 hatte Udo Horn dann eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Cottbus gegen das Verteidigungsministerium gestellt. Der Fall landete kurze Zeit später in Berlin. Horns Vorwürfe: Verdacht auf Angabe einer falschen Todesursache, Verdacht auf Tötung durch den Einsatz von Uranmunition und anderer Schwermetalle im Kosovo, Vertuschung von Gefahrenrisiken, Verdacht auf unterlassene Hilfeleistung.

Wie die Justiz das Ende des Verfahrens begründet, ist für Udo Horn unbegreiflich. Gemeinsam mit dem Münchener Professor Peter Horn - der nicht mit Udo Horn verwandt ist - und dem preisgekrönten Filmemacher Frieder Wagner arbeite er zurzeit an der Beschwerdeschrift. "Wir lassen nicht locker", gibt sich Horn kämpferisch.