Viele sehen den Eintritt der 54-Jährigen in eine Koalition mit dem rechtsorientierten Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu kritisch. Die frühere Außenministerin habe "ihre Prinzipien verkauft", schrieb eine Kommentatorin der Zeitung "Jediot Achronot" am Mittwoch.

Bei der Wahl im Januar bekam Livnis neue Partei Hatnua (Die Bewegung) nur sechs Mandate - ein empfindlicher Dämpfer für die energische Juristin. Immerhin war die in der politischen Mitte angesiedelte Kadima-Partei bei den Wahlen 2009 unter ihrer Führung stärkste Fraktion geworden - sie hatte mit 28 Sitzen sogar ein Mandat mehr als Ne tanjahus Likud. Dennoch gelang es Livni damals nicht, eine Regierung zu bilden.

Einen Eintritt in die Regierung Netanjahu lehnte die ehemalige Mossad-Agentin damals noch kategorisch ab. Vor vier Jahren habe Netanjahu sie als Koalitionspartnerin gewollt, "damit wir als Feigenblatt für die Politik dienen, die er vorschreibt", sagte Livni nach der Unterzeichnung des Koalitionsabkommens. "Heute sieht das Bild völlig anders aus."

Livni war im Jahr 1999 erstmals als Abgeordnete ins Parlament gewählt worden, damals noch für den Likud, und hatte anschließend mehrere Ministerposten inne. Sie unterstützte im Jahr 2005 den Abzug aus dem Gazastreifen und führte später als Außenministerin der Regierung von Ehud Olmert Friedensverhandlungen mit den Palästinensern.

Die Mutter zweier erwachsener Söhne will sich auch in der neuen Regierung für eine rasche Einigung mit den Palästinensern und mehr soziale Gerechtigkeit einsetzen. Ob dieser Plan Aussicht auf Erfolg hat, hängt allerdings stark von der endgültigen Zusammensetzung der neuen Regierung Netanjahus ab. Der Premier und Livni hatten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz jedenfalls ein Bekenntnis zur Zwei-Staaten-Lösung des Konflikts mit den Palästinensern abgelegt.