"Dies ist notwendig, damit wir das Gesetz noch Ende Juni in den Landtag bringen können." Bislang war die Kabinettsentscheidung am 30. Mai angesetzt. Die Sondersitzung ist laut Engels notwendig, weil es zum regulären Termin am 13. Juni eine gemeinsame Sitzung mit dem sächsischen Kabinett in Großräschen (Oberspreewald-Lausitz) gibt.

Gegen die Pläne zur Neustrukturierung hat eine Volksinitiative 130 000 Unterschriften gesammelt. Darüber will der Landtag noch im Mai entscheiden. Wenn Rot-Rot die Forderungen im Landtag erwartungsgemäß ablehnt, könnte ein Volksbegehren und schließlich ein Volksentscheid folgen.

CDU-Fraktionschef Ingo Senftleben hat am Wochenende erneut scharfe Kritik an der umstrittenen Kreisgebietsreform geübt. Beim "Brandenburg-Tag" der Jungen Union in Luckau (Kreis Dahme-Spreewald) kritisierte er vor allem das stete Schweigen von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Wäre er wirklich von der Kreisreform überzeugt, würde er Tag und Nacht durch Brandenburg fahren, "und mit jeder Faser seines Körpers dafür werben". Das aber geschehe nicht. Senftleben kündigte an, dass die Union im Streit um die Reform einen Volksentscheid erwarte. "Darauf freue ich mich", so Senftleben. Durch die Reform werde es keinem Brandenburger besser gehen. "Sie wird Geld kosten, aber keinen Ertrag bringen", sagte Senftleben. "Sie wird Brandenburg nicht besser machen."

Auch der Bürgermeister von Luckau, Gerald Lehmann (parteilos), wurde deutlich: "So lange wir einen CDU-Landrat hatten, war Luckau Kreisstadt - und so lange ging es der Stadt gut", sagte Lehmann. "Wenn jemand sehen möchte, wie es einer Stadt nach einer Kreisgebietsreform ergeht, dann sollte er nach Luckau kommen." Luckau habe die Kreisverwaltung verloren, das Amtsgericht, das Grundbuchamt. Nur das Kreisarchiv sei als "Trostpflaster" zurückgekehrt. Lehmann forderte die Potsdamer Landespolitik zudem auf, ein Investitionsprogramm für Schulerweiterungen aufzulegen. "Unsere Schulen werden zu klein", sagte Lehmann. Auf ihrem Brandenburg-Tag wählte die Jugendorganisation der Christdemokraten am Samstag auch einen neuen Landesvorstand. Dabei wurde der gebürtige Drebkauer Julian Brüning mit rund 89 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. (mit dpa)