Heraus mit der Sprache - so lautet auch das Motto der internationalen Jugendbegegnung, die seit Montag bis kommenden Sonntag in Bautzen organisiert wird. Auf Einladung des sorbischen Jugendvereins Pawk e. V. weilen 30 junge Europäer zwischen 15 und 25 Jahren aus den Niederlanden, aus Ungarn, Polen und Italien für eine Woche in der Hauptstadt der Oberlausitz. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie gehören nationalen Minderheiten an: Der westfriesischen in den Niederlanden, kaschubischen in Polen, slowenischen in Italien und - in Ungarn - der deutschen.
Finanziert wird das Treffen aus europäischen Fördermitteln sowie durch die Landkreise Bautzen und Kamenz. Untergebracht sind die jungen Leute aus nationalen Minderheiten im Gästehaus der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Bautzen.

Erfahrungen diskutieren
„Mit dem Treffen setzen wir eine vor zwei Jahren begonnene Tradition fort“ , erklärt Lydia Jawork von Pawk, die einen Teil der Jugendlichen betreut. Vor zwei Jahren und im letzten Jahr waren sie und andere sorbische Jugendliche in Ungarn und in Holland zu Gast. Diesmal nun ist die einzige slawische Minderheit im deutschsprachigen Raum selbst Gastgeber der internationalen Jugendbegegnung.
Das Thema Sprache steht in Bautzen im Mittelpunkt - unter anderem in Diskussionen und Workshops mit Fragestellungen wie welche Bedeutung Muttersprache hat und was passiert, wenn eine Sprache ausstirbt, erklärt Projektkoordinatorin Christiane Walde.
Als Experten werden dazu Jan Diedrichsen, Beauftragter der Föderalistischen Union europäischer Volksgruppen (FUEV), Jana Scholze vom Sorabistik-Institut der Universität in Leipzig sowie Leipziger Ethnologie-Studenten erwartet.
Untereinander unterhalten sich die Jugendlichen auf Englisch und so versuchen sie auch, mit den Bautzenern ins Gespräch zu kommen, wie etwa am Montag, als sie bei einer Stadtrallye unterschiedliche Aufgaben zu lösen hatten. „Unsere Gruppe sollte mithilfe von Einheimischen eine Bautzener Sehenswürdigkeit, das 'Hexenhäuschen', finden“ , erzählt Brechtje Veenstra, eine niederländische Friesin. „Das ging schnell, weil das hier anscheinend wirklich jeder kennt“ , Brechtje muss lachen. „Die Leute, die wir angesprochen haben, waren auch alle hilfsbereit“ , fügt ihr Lands mann Sieds van de Schaaf zu.
Kniffliger war schon die Aufgabe, eine sorbische Persönlichkeit des öffentlichen Lebens zu finden, wie den Referenten der Domowina Juri Wuschanski. „Die Jugendlichen bekamen keine Tipps“ , betont Betreuerin Bozena Schiemann. Letztendlich wurden sie fündig. Wieder andere befragten Passanten nach deren Erfahrungen mit der Zweisprachigkeit.
Solche Aktionen sollen den Jugendlichen helfen, zu ergründen, welchen Stellenwert das Sorbische im öffentlichen Leben der Stadt Bautzen hat. „Dabei konnten sie diesen mit der Situation der Stellung ihrer eigenen Muttersprache in den einzelnen Ländern vergleichen“ , erklärt Lydia Jawork von Pawk das Ziel des Treffens.
Doch auch das Lebensumfeld der Sorben sollen die Jugendlichen erkunden. Heute fährt die Gruppe in die Niederlausitz nach Lakoma, nach Burg in den Spreewald und nach Cottbus zum Niedersorbischen Gymnasium. Ab Freitag dann nehmen die Jugendlichen an den „Tagen der Jugend“ in Räckelwitz teil.

Freundschaften knüpfen
Doch auch das Zwischenmenschliche kommt nicht zu kurz: „Für mich ist diese Reise ein großes Erlebnis, ich lerne viele neue Leute kennen und knüpfe neue Freundschaften“ , erklärt Moneka Szewka aus der Kaschubei. Schon allein dadurch hat die Internationale Jugendbegegnung einen wichtigen Zweck erfüllt.