Vom Handy abgelenkt sei er gewesen: Dies berichtet die Polizei über einen 18-Jährigen nach einem Unfall am Bahnhof von Schleife (Kreis Görlitz) an diesem Wochenende. Der junge Mann war von einem Zug erfasst worden und wurde schwer am Kopf verletzt.

Ob Unachtsamkeit oder Leichtsinn: Immer wieder gefährden vor allem junge Leute ihr Leben an Bahngleisen. Einige bezahlen das sogar mit ihrem Leben, wie Jens Schobranski, Sprecher der Bundespolizeidirektion Berlin, sagt. Beispielsweise nach Stromschlägen an Bahnanlagen. Der Sprecher verweist auf drei Fälle, die sich innerhalb der vergangenen zwei Jahre in Brandenburg ereignet haben. Tödlich endete der Stromschlag aus der Oberleitung für einen 17-Jährigen im März 2015. Er war in einen Kesselwagen eines abgestellten Güterzugs in Guben (Spree-Neiße) geklettert.

Im Januar 2015 sei ein 15-Jähriger am Bahnhof Rangsdorf (Teltow-Fläming) vom letzten Personenwagen auf die am Zugende angehängte Lok geklettert und durch einen Stromschlag schwer verletzt worden. Im Februar 2016 sei eine 15-Jährige am Bahnhof Fürstenwalde (Oder-Spree) ums Leben gekommen.

Lokführer würden immer wieder spielende Kinder im Bahnbereich melden. In diesen Fällen würden Streifen der Bundespolizei zur Suche eingesetzt. Gleiches gelte, wenn Jungen oder Mädchen auf dem Dach einer S-Bahn surfen, Bahnanlagen verbotenerweise Stellen überquert oder Selfies auf Gleisen geknipst werden.

Für solche Fotos mit dem Handy bringen sich immer wieder Menschen im Gefahr, und das nicht nur an Bahnanlagen. So wie am Karfreitag 2017 in Kamenz (Kreis Bautzen). Drei junge Männer in Kamenz (Kreis Bautzen) ganz besondere Schnappschüsse machen. Für ihre Selfies kletterten die 24- und 25-Jährigen erst über den Baustellenzaun und dann auf das Gerüst einer Kirche. Anwohner alarmierten die Polizei. Die Selfie-Fans müssen sich nun wegen Hausfriedensbruchs verantworten.

Vor allem aber Bahngleise sind als Selfie-Hintergrund beliebt. Die romantische Symbolik - Fernweh, Lebensweg, das Gleispaar: Deswegen wählten Teenager Bahnschienen oft als Hintergrundmotiv. Das sei jedoch gefährlich. "Selbst bei Windstille hört man die modernen Züge zu spät", sagt Kirstin Stiefel von der Bundespolizei in Pirna.

Eine Selfie-Aktion Jugendlicher hatte im März 2016 einen Lokführer der Weißeritztalbahn bei Freital (Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) zur Notbremsung gezwungen. Als der Lokführer die Gruppe stellte, bekam er einen Schlag ins Gesicht. Der 52-Jährige wurde leicht verletzt, die Täter flüchteten. Die Polizei erfährt davon bisweilen erst bei Recherchen im Internet. Wie im Fall zweier Männer, die in Freiberg auf den Gleisen Fotos von sich gemacht und diese online gestellt hatten. Nach der Tat mussten die Beschuldigten ein Verwarngeld berappen.

In Sachsen-Anhalt kämpft Bundespolizistin Katrin Beiersdorfer (45) als Präventionsbeamtin gegen Trend zu Selfies im Gleis. Beiersdorfer klärt in Schulen auf, wenn Schüler illegal an Gleisen unterwegs waren. Sie treffe auf viel Unwissen und Naivität. Dann sagt sie, dass ein Zug, der 160 Stundenkilometer fährt, pro Sekunde 44 Meter zurücklege. Und zeigt in Videos, wie lang der Bremsweg eines Zugs und wie stark dessen Sogwirkung sind.