Zwei Jahre lang hat das Dresdner Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung rechte Mehrfach- und Intensivtäter beleuchtet. Die 300 Seiten sollen den sächsischen Sicherheitsbehörden wertvolle Ansätze zur Prävention liefern. Es gehe darum, künftige Entwicklungen und Brennpunkte rechter Gewalt früher zu erkennen und schneller entgegenzusteuern.

Die Experten haben rechtsextreme Straftaten zwischen 2001 und 2011 untersucht und sich dabei 463 Täter genauer angesehen. 70 von ihnen waren Intensivtäter, also mehrfach bei schweren Straftaten erwischt.

Heraus kam, dass die meisten sächsischen Intensivtäter geplant vorgehen - das widerspricht indes dem bundesweit geltenden Befund für rechts motivierte Gewalttäter. "Die 151 Gewalttaten mit Beteiligung von Intensivtätern sind ganz überwiegend Gruppentaten", erklärt der Vize-Chef des Instituts, Uwe Backes. Konkret gehen diese Straftaten auf die Konten von 17 relevanten Gruppen. Das geht aus den Polizeidaten, Gerichtsakten, Szenemedien, nachrichtendienstlichen Informationen hervor, die die Wissenschaftler durchpflügt haben.

Ein weiterer Befund: Die rechtsextremen Straftäter aus Sachsen sind ideologisierter als die von außerhalb. Zwei Drittel der untersuchten Straftaten lassen sich unter "Konfrontation gegen links" subsummieren. Die meisten dieser Gruppen zogen plangemäß los, um sogenannte "zeckenfreie Zonen" zu schaffen, ideologisch scharf gemacht durch Rechtsrockmusik. "Die Gewalttäter agierten nicht nur häufiger, sondern auch brutaler als die übrige Täterpopulation", heißt es in der Studie. Zwölf der 64 lebensbedrohlichen Taten eskalierten zum Exzess.

Auch das Deliktprofil aus Sachsen weicht vom bundesweiten ab. Zwar stehen auch in Sachsen die Körperverletzungen bei den politisch motivierten Straftaten ganz oben - aber mit knapp 78 Prozent unterhalb des Bundesdurchschnitts. Da gleich danach die Landfriedensbrüche kommen, vermuten die Experten, dass rechtsextreme Kundgebungen in Sachsen öfter in Gewalt enden als im Rest der Republik.

Überraschenderweise stammen die untersuchten Schläger nicht selten aus "unauffälligen Familienumfeldern", wie es in der Studie heißt. Zwar hätten viele negative Erfahrungen mit Scheidung, Tod eines Elternteils, Alkoholmissbrauch und Gewalt gemacht - doch im Schnitt nicht wesentlich öfter als der Rest der Bevölkerung.

Insgesamt zwei Jahre lang hat das Institut geforscht, in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt, Verfassungsschutz und Staatsanwaltschaft sowie dem Operativen Abwehrzentrum (OAZ) der sächsischen Polizei. Innenminister Markus Ulbig (CDU) sieht sich durch die Studie bestätigt: "Der Rechtsextremismus ist und bleibt Schwerpunkt der Arbeit unserer Sicherheitsbehörden." Es werde dennoch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe bleiben, "Rechtsextremisten nachhaltig den Nährboden zu entziehen", sagte Ulbig bei der Präsentation der Studie in Dresden.