Verhandlungen mit Taliban in Afghanistan sollte es nach den Worten von Jung nur mit zweifelsfrei gewaltlosen Gruppen geben. "Ich halte es für zwingend notwendig, dass es sich um Gruppierungen handelt, die sich eindeutig von Gewalt distanzieren", sagte Jung bei einem Zwischenstopp in Usbekistan. Er reagierte damit auf die Äußerungen von US-Präsident Barack Obama, der eine Annäherung an moderate Taliban kämpfer erwägt. Jung sagte, die Briten hätten schlechte Erfahrungen gemacht mit ihrem Versuch in Südafghanistan, mit gemäßigten Taliban zu verhandeln: "Taliban haben dann Kinder und Lehrer in Schulen umgebracht, die Englisch lernten." Obama hatte in einem Interview auf die Frage, ob die USA derzeit den Krieg in Afhanistan gewinnen, geantwortet: "Nein." Jung sagte: "Afghanistan ist allein mit militärischen Mitteln nicht zu gewinnen. Das habe ich immer gesagt. Und unsere Soldaten sehen das genauso."In Usbekistan sprach Jung am Bundeswehrstandort in Termes am Abend mit seinem usbekischen Kollegen Korbil Berdijew über Möglichkeiten des Lufttransports nach Afghanistan. "Der Lufttransport über Termes ist für uns von entscheidender Bedeutung. Unser Interesse ist, ihn langfristig sicherzustellen." Termes liegt an der Grenze zu Afghanistan. Von dort aus ist es eine halbe Stunde Flugzeit nach Masar-i-Scharif, wo die Bundeswehr mit rund 2000 Soldaten ihren größten Standort außerhalb Deutschlands hat. Am heutigen Dienstag reist Jung nach Masar-i-Scharif und danach zum deutschen Wiederaufbauteam (PRT) nach Feisabad. Am Mittwoch will er das PRT in Kundus besuchen. Dort will er auch mit Stammesältesten der Region sprechen. Jung sagte, die Mission in Afghanistan sei ein schwieriger Einsatz. In Feisabad habe sich die Sicherheitslage stabilisiert, in Kundus sei sie "kritisch". Derzeit sind insgesamt rund 3800 deutsche Soldaten im Einsatz für die internationale Afghanistan-Schutztruppe Isaf. Deutschland ist nach den USA und Großbritannien drittgrößter Truppensteller.Der evangelische Militärbischof Martin Dutzmann hat eine klare politische Perspektive für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan gefordert. "Es ist deutlich, dass es keine explizite Exit-Strategie gibt", sagte Dutzmann am Montag zum Auftakt der 54. Gesamtkonferenz evangelischer Militärgeistlicher in Bad Honnef. Er vermisse präzisere Bemühungen der Politik, einen Zeitpunkt für eine verantwortungsvolle Beendigung des Einsatzes zu benennen. Auch die Soldaten erwarteten Klarheit darüber. Für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan gebe es eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, unterstrich Dutzmann. Viele Soldaten litten allerdings an einer zu geringen Akzeptanz ihres Berufes und ihres Dienstes. "Viele Soldaten haben das Gefühl, dass ihr Berufsrisiko privatisiert wird, das belastet sie sehr", sagte der Militärbischof. Er sprach sich zugleich für den Erhalt der Wehrpflicht aus.Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats stattet US-Vizepräsident Joe Biden den Verbündeten in Europa einen Besuch ab. Am Dienstag will Biden im Nato-Hauptquartier in Brüssel über die größte militärische Herausforderung der Allianz beraten: die Zukunft des Einsatzes in Afghanistan. Ein hochrangiger Mitarbeiter des Weißen Hauses wertete Bidens neuerliche Reise als Zeichen für die Ernsthaftigkeit der Lage: "Das zeigt, wie ernst die Lage in Afghanistan ist, aber auch, wie ernst wir diese Angelegenheit nehmen." Die USA wollten bei der Afghanistan-Frage jeden Eindruck eines Alleingangs vermeiden: "Das Prinzip der Konsultation ist für uns nicht nur Lippenbekenntnis, wir meinen es ernst", sagte der Präsidentenmitarbeiter. dpa/ddp/roe