Parlamentarier aller Schattierungen rechnen schon bald mit dem Ende der einjährigen "unglücklichen Ära Jung". Der FDP-Wehrexperte Rainer Stinner brachte es auf den Punkt: "Jung ist nicht mehr tragbar".
Jung, der "Abgesandte" des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch im Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU), hatte sich bei der Bildung der großen Koalition Hoffnungen auf den Posten des Landwirtschaftsministers gemacht. Jung ist Winzersohn aus dem Rheingau. Als er zum Chef der Bundeswehr "auserkoren" wurde, staunte er selber. Als Jung im Ministerium vor der Fotogalerie seiner Vorgänger stand, sagte er: " Ich hätte nie gedacht, mal in dieser Linie zu landen". Schnell wurde über den "Provinzling" gespottet, er verstehe von Sicherheitspolitik "so viel wie ein Flusspferd vom Hochseefischen".

Antritt mit Charmeoffensive
Jung trat mit einer Charmeoffensive bei der Truppe an. Beobachter bestätigten ihm, dass er sich schnell eingearbeitet habe. Mit Bedauern wurde allerdings registriert, dass sich der "Mann aus der hessischen Landespolitik nur schlecht etwas sagen ließ". Die Bundespolitik und speziell die Sicherheitspolitik "erfordert eben einen ganz anderen Horizont als die Landespolitik", stellte einer seiner Berliner Berater fest.
"Ich bin erprobt in politischen Kampfeinsätzen", gab Jung immer wieder lächelnd zum besten. Aber im Gewirr der politischen Fallstricke auf der politischen Bühne Berlins geriet Jung immer wieder ins Stolpern. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit machte Jung klar, er wolle mit einem neuen "Weißbuch zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr" Zeichen setzen. Das Werk sollte schon im Frühjahr fertig sein, konnte jedoch wegen der Querelen mit der SPD über den Einsatz der Bundeswehr im Innern erst im Herbst erscheinen - ohne dass sich Jung wirklich mit seinen weitreichenden Vorstellungen zum Inneneinsatz durchsetzen konnte.
Die Vorbereitung für die Beteiligung der Bundeswehr am UN-Einsatz im Kongo wurde Jung als "dilettantisch" angekreidet. Mit der Libanon-Mission brachte Jung wegen der unklaren Einsatzregeln die Bundeskanzlerin in arge Verlegenheit.

Kanzleramt ist verärgert
Der letzte "Negativ-Coup" von Jung beherrscht zurzeit die Schlagzeilen. Mit der Ankündigung eines Plans für einen abgestuften Abzug deutscher Soldaten aus Bosnien-Herzegowina entfachte er einen Streit über die Kriterien deutscher Auslandseinsätze. Jung gab an: Der Abzug müsse wegen Überlastung und Überforderung der Truppe vorgenommen werden. Nach Angaben von Offizieren herrscht aber ein Mangel an Ärzten, Sanitätern, Pionieren, Logistikern, Fernmeldern und Piloten. Das Kanzleramt ist über Jung verärgert. Zudem hatte er sein Vorpreschen nicht vorher mit der EU abgestimmt.