Auf der sogenannten Balkanroute müssen zurzeit Tausende trotz Regen und Kälte auch nachts im Freien ausharren, darunter viele Familien mit Kindern.

Auch der Präsident des Europäischen Rates, Donald Tusk, warnte, dass angesichts der Intervention Russlands im Syrien-Krieg mehr Menschen die Flucht ergreifen dürften, eine neue Welle werde kommen. Die Flüchtlingskrise sei die größte Herausforderung der EU seit Jahrzehnten. "Außerordentliche Zeiten erfordern außerordentliche Opfer", sagte Tusk.

Juncker mahnte zur zügigen Umsetzung des Aktionsplans mit der Türkei. Die Türkei brauche drei Milliarden Euro und sei im Gegenzug bereit, die Flüchtlinge im Land zu halten, sagte er. Jetzt seien dringend konkrete Absprachen nötig, und es sei nicht die Zeit, der Regierung in Ankara Verstöße gegen die Menschenrechte vorzuwerfen - "ob uns das gefällt oder nicht". Von der Türkei aus setzen zurzeit Tausende Flüchtlinge auf griechische Ägäisinseln über und reisen dann weiter, meist Richtung Deutschland.

Die Streitigkeiten und gegenseitigen Schuldzuweisungen beim Sondertreffen zur Westbalkanroute sind für Juncker ein Zeichen, "dass die EU in keinem guten Zustand ist". Dieses Treffen hätte nicht nötig sein sollen, und die Balkanstaaten sollten "miteinander und nicht übereinander reden". Dies erwecke den Eindruck, dass die Union kurz vor dem Zerwürfnis oder der Spaltung stehe. "Die EU-Staaten müssen das tun, was sie versprochen haben", mahnte Juncker zum Thema Verteilung der Migranten. Die Regierungen hätten sich verpflichtet, den unkontrollierten Zuzug zu verlangsamen.

Migranten, die sich nicht registrieren lassen wollten, erinnerte Juncker zudem an ihre Verpflichtungen. "Keine Registrierung, keine Rechte. So einfach ist das. Das müssen die Flüchtlinge wissen."