Ihrem Ruf als selbstbewusste und ehrgeizige Frau mit Nerven aus Stahl hat die ehemalige ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko auch vor Gericht alle Ehre gemacht. „Wir werden kämpfen und meinen guten Namen vor europäischen Gerichten verteidigen“, sagte die schillerndste Figur der ukrainischen Politik als Reaktion auf ihr Urteil vom Dienstag.

Wegen angeblichen Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit Gasgeschäften mit Russland soll sie sieben Jahre ins Gefängnis. Doch so schnell lässt sich die durchaus umstrittene Politikerin nicht einschüchtern.

„Wir müssen stark sein und die Ukraine gegen diesen Autoritarismus verteidigen“, sagte die zierliche Frau mit dem stets akkurat geflochtenen Haar nach dem Urteil in Kiew. Ein Blick in ihr luxuriöses Büro in der ukrainischen Hauptstadt sagt eigentlich mehr als jede flammende Rede, die sie je hielt: Dort stehen eine Statue der französischen Heldin Jeanne d'Arc, die Memoiren der früheren britischen Premierministerin Margaret Thatcher und ein Buch über die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright.

Leben mit Höhen und Tiefen

Das politische Leben Timoschenkos, die in ihrem Land häufig ebenfalls „Eiserne Lady“ oder einfach nur „Sie“ genannt wird, ist von einem steten Auf und Ab geprägt. In die Politik zog es die 1960 in der Industriestadt Dnipropetrowsk geborene Timoschenko im Jahr 1997, als sie als Abgeordnete ins Parlament einzog. Zwei Jahre später wurde sie Vize-Ministerpräsidentin an der Seite des damaligen Regierungschefs Viktor Juschtschenko – ihrem späteren Weggefährten der Orangenen Revolution im Jahr 2004.

Mit ihren Reden bewegte sie damals die Massen und galt Seite an Seite mit Juschtschenko als Galionsfigur der Orangenen Revolution. Doch kaum waren die Beiden an der Macht – er wurde Präsident, sie im Februar 2005 Regierungschefin – kam es zum Zerwürfnis. Deutlich radikaler in ihren Einstellungen wurde sie sowohl von Anhängern als auch von Gegnern als „einziger Mann“ im Regierungsteam bezeichnet.

Sie arbeitete viel und schlief angeblich im Büro – fand aber auch Zeit, für das Titelbild der Zeitschrift „Elle“ zu posieren. Streitigkeiten im politischen Alltag zerrieben die Allianz mit Juschtschenko aber und führten schon nach sieben Monaten zu ihrer Entlassung.

Comeback im Jahr 2007

Ihr politisches Comeback feierte Timoschenko im Jahr 2007, als sie mit einer hauchdünnen Mehrheit von nur einer Stimme nach den Parlamentswahlen zur Regierungschefin gewählt wurde. Dieses Amt bekleidete sie bis 2010, im Februar 2010 verlor Timoschenko dann die Präsidentschaftswahl gegen ihren Rivalen Viktor Janukowitsch.

Seit Ende Juni dieses Jahres musste sie sich wegen Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit den Gas-Verträgen mit Russland vor Gericht verantworten, Anfang August kam sie in Untersuchungshaft. Doch auch vor Gericht wahrte sie demonstrativ ihren Stolz. Stets erschien sie mit altbekannter aufwendiger Frisur, sie machte sich während der Anhörungen per Twitter über den Richter und die Zeugen lustig.

Die Politikerin ließ zudem keinen Zweifel daran, dass sie ihren Prozess für politisch motiviert hält. Auch am gestrigen Dienstag sagte sie in Kiew, Janukowitsch habe diesen Prozess gegen sie angeordnet.

In einem Interview erklärte Julia Timoschenko in diesem Jahr einmal: „Ich bin kein Monster ohne Gefühle. Ich habe Angst so wie jeder andere Mensch auch.“ Doch in einem „autoritären“ System wie der Ukraine gehöre diese Angst dazu und sie habe gelernt, damit umzugehen.

Nun will sie bei der europäischen Justiz um Hilfe ersuchen. Der Kampf der Politikerin ist noch nicht zu Ende.