Jeder zweite Jugendliche meldet sich nach Angaben des Sächsischen Verbandes für Jugendweihe und Jugendarbeit dazu an. Die evangelischen Konfirmanden stellen mit rund 20 Prozent die zweitstärkste Gruppe.
Bundesweit erhielten im vergangenen Jahr rund 70 000 Mädchen und Jungen die Jugendweihe. Allein in Sachsen waren es mehr als 22 000, sagte der Geschäftsführer des Jugendweihe-Verbandes, Dieter Lehmann. Das waren 7000 weniger als im Vorjahr. Im Vergleich zu 1990 hätten sich die Zahlen halbiert. Ursache sei der Einbruch der Geburtenzahlen nach der Wende.
In diesem Jahr sieht es kaum besser aus: Bisher sind erst 13 000 Mädchen und Jungen zur Jugendweihe angemeldet. Die ersten der nicht-konfessionellen Feiern finden schon Ende März statt. Insgesamt werden es laut Verband etwa 310 sein.
Trotz der sinkenden absoluten Teilnehmerzahlen bleibe der Anteil der Jugendweiheanwärter an allen Jugendlichen mit 50 Prozent ungefähr konstant, erklärte Lehmann. Rund ein Viertel der Mädchen und Jungen nimmt auch die oft kostenlosen Zusatzangebote zur Vorbereitung auf den "großen Tag" an. Das gesellschaftliche und politische Bildungsangebot habe nichts mehr mit den Lehrgängen in der DDR gemein, beteuerte Lehmann. "Die ideologischen Äste der Jugendweihe sind abgesägt." Es gebe neben Politisch-Historischem heute Angebote wie den "Experten-Chat" mit Fachlehrern und "Beauty-Kurse" zu "Körperpflege und Styling".
Auch die Kirchen sehen einen Rückgang der Teilnehmerzahlen bei Mündigkeitsfeiern. "In diesem Jahr werden wir 5000 Konfirmanden haben, nach 6500 im Vorjahr", erläuterte der Sprecher der evangelischen Landeskirche Sachsens, Matthias Oelke. 2007 sei aber die Talsohle erreicht.
Der Anteil der Konfirmanden an den Jugendlichen habe in Sachsen von 18,6 auf 20 Prozent zugelegt. Die Kirchenprovinz Sachsen verzeichnete 2005 sogar ein leichtes Plus an Konfirmanden. Ein langfristiger Aufwärtstrend sei das aber nicht, erklärte Kirchenprovinz-Sprecher Oliver Vorwald. Das katholische Bischöfliche Ordinariat Dresden-Meißen hat keine aktuellen Zahlen parat, spricht aber auch von einem rückläufigen Trend.
Infos im Internet: www.jugendweihe-sachsen.de www.landeskirche-sachsen.de www.bistum-dresden-meissen.de )

Hintergrund Lange Geschichte
 Die Jugendweihe als Aufnahme-Feier für Jugendliche in den Kreis der Erwachsenen ist keine Erfindung der DDR . Sie hat eine weit ältere Tradition. Die ersten nicht-religiösen Mündigkeitsfeiern kamen schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf.
Der Begriff der Jugendweihe taucht erstmals im Jahr 1852 in Verbindung mit einer Mündigkeitsfeier im thüringischen Nordhausen auf. Später hielten auch die Freidenker, Menschen ohne religiöse Bindung, so genannte Jugendweihen ab. Als Alternative zur christlichen Konfirmation und Kommunion wurde sie bei Jugendlichen erst in der Weimarer Republik zunehmend beliebter. 1933 verboten die Nationalsozialisten die Jugendweihe.