Die Sicht auf die Perspektiven der Jugend in Sachsen spaltet Koalition und Opposition. Während CDU und FDP den Freistaat am Donnerstag im Landtag vor allem als attraktive Heimat beschrieben, mussten sich die beiden Regierungsfraktionen von der Opposition mangelndes Problembewusstsein vorwerfen lassen.

Anlass der Debatte war eine von der Staatskanzlei in Auftrag gegebene Studie, die aus Sicht von CDU und FDP ein weitgehend positives Bild zeichnet. Die Opposition dagegen kritisierte schon den Ansatz der Studie. Probleme wie Sucht, Drogen oder Kriminalität seien von vornherein ausgeblendet worden, sagte etwa die Linke-Abgeordnete Heike Werner.

Auch Elke Herrmann von den Grünen zweifelte den praktischen Nutzen der Studie an, weil beispielsweises Differenzierungen nach Herkunft der Befragten fehlten. Um zu erfahren, dass Jugendliche eine berufliche Perspektive wollen, hätte es keiner Studie bedurft. Henning Homann von der SPD hielt der Koalition vor, gar nicht über Probleme diskutieren zu wollen: "Sie wollen nur verkünden!"

"Wir reden diesen Freistaat von morgens bis abends nicht schlecht - das ist der Unterschied zwischen Koalition und Opposition", entgegnete der CDU-Abgeordnete Patrick Schreiber.

Der Koalition seien sehr wohl auch Probleme bewusst, die es mit Blick auf die Jugend gebe, wies er Vorwürfe zurück. "Lassen Sie uns doch auch mal über Vorzüge reden", machte Norbert Bläsner von der FDP das Anliegen der aktuellen Debatte deutlich.

Auch die für Jugend zuständige Sozialministerin Christine Clauß (CDU) betonte, dass aus ihrer Sicht die jungen Leute eine gute Zukunft in Sachsen haben. "Nicht alles ist perfekt", räumte Clauß ein. Für sie sei vor allem wichtig, dass die Jugend positiv gestimmt sei und sich zu großen Teilen selbst für die Zukunft engagiere.

Der Studie zufolge halten die meisten jungen Menschen im Freistaat Sachsen für lebenswert. 61 Prozent der 15- bis 25-Jährigen sehen danach Sachsen als künftigen Lebensmittelpunkt. Bei den Lebenszielen stehen Familie und Partnerschaft nach einem sicheren Arbeitsplatz ganz oben auf der Agenda. Zudem sieht die CDU/FDP-Koalition für Jugendliche und junge Erwachsene in Sachsen gute Karrierechancen. "Seit der Wiedervereinigung hat sich der Freistaat zu einem Hightech-Bundesland entwickelt", sagte FDP-Innenexperte Benjamin Karabinski. Führende Unternehmen der Automobil- und Halbleiterindustrie hätten in den vergangenen Jahren attraktive Arbeitsplätze geschaffen. Diese veranlassten Schul- und Hochschulabsolventen, in ihrer Heimat zu bleiben, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Patrick Schreiber.

Für die Jugendstudie waren Mitte Juli 1000 junge Sachsen zwischen 15 und 25 Jahren vom Hamburger Meinungsforschungsinstitut GMS telefonisch befragt worden.