Schließlich brauchten sie sich nicht um das weit verbreitete Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen zu kümmern, meinte die Ministerin augenzwinkernd.
Von seinem Laster dürfte der Qualmer deshalb aber kaum lassen. Das ist auch der SPD-Politikerin klar. Und so startete sie gestern die Nichtraucherkampagne „Rauchfrei 2004“ , um insbesondere der jungen Generation ein Leben ohne Glimmstängel schmackhaft zu machen. Es gehe um die Verhinderung des Einstiegs, eine Förderung des Ausstiegs und den Anspruch auf eine rauchfreie Umgebung.
Die jüngsten Zahlen sind zweifellos erschreckend. Das durchschnittliche Einstiegsalter für Raucher liegt heute bei 13 Jahren. 80 Prozent der zwölf- bis 25-Jährigen haben nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg bereits zwischen elf und 16 ihre erste Kippe inhaliert. Etwa jeder zehnte war sogar jünger als elf Jahre.

Immer mehr Mädchen rauchen
Im Alter zwischen 16 und 17 rauchen mittlerweile 44 Prozent aller Jugendlichen. Der Anteil der Mädchen nimmt dabei rasant zu. Fast jede zweite Jugendliche zwischen 15 und 19 greift regelmäßig zur Zigarette. In den jüngsten Altersgruppen überwiegt die Zahl der Mädchen mit Nikotinerfahrung sogar die der Jungen.
Damit wächst auch das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken um bis zu 70 Prozent. Insgesamt sterben in der Bundesrepublik Jahr für Jahr bis zu 140 000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Die tabakbedingten Kosten im Gesundheitswesen beziffert das Deutsche Krebsforschungszentrum auf satte 17 Milliarden Euro. Das ist ein Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts.
Um den Konsumenten den Griff zum Tabak zu erschweren, sollen in den kommenden drei Jahren nicht nur die Zigarettenautomaten auf bargeldlose Zahlung umgerüstet werden. Ministerin Schmidt will auch die erstmals wieder seit den 50er-Jahren eingeführten Mini-Zigarettenpackungen verbieten. Die Mindestgröße soll bei 17 Zigaretten festgeschrieben werden.

Erhöhte Steuer soll helfen
Zu den bereits geltenden Maßnahmen gehört das Verkaufsverbot von Tabakwaren an Jugendliche unter 16 Jahren, ein Werbeverbot für Glimmstängel bei Kinovorstellungen bis 18 Uhr sowie der in der Arbeitsstättenverordnung fixierte Anspruch auf einen rauchfreien Arbeitsplatz. Auch durch die im Rahmen des Reformpakets beschlossene Anhebung der Tabaksteuer hofft Schmidt auf positive Effekte.
Tatsache ist freilich, dass die verabredete Stufenlösung zwischen März 2004 und September 2005 dazu geeignet ist, die Verbraucher an die Verteuerung ihrer Zigaretten schleichend zu gewöhnen. Besonders das Bundesfinanzministerium hatte auf diese Lösung gedrängt, um die geplanten Einnahmen aus der Tabaksteuer nicht zu gefährden. Die Gesundheitsministerin trug den Plan seinerzeit widerstandslos mit. Aus der Tabaksteuer soll eine Milliarde Euro in die Krankenkassen umgeleitet werden.
Die Kampagne „Rauchfrei“ wird übrigens regelmäßig in mehr als 100 Ländern veranstaltet. 2002 war Deutschland mit 90 000 Teilnehmern am Besten repräsentiert. Diesmal müssen sich Interessenten verpflichten, vom 1. bis zum 29. Mai nicht zu rauchen. Den Siegern winken Preise im Gesamtwert von 10 000 Euro. Die Anmeldeformulare sind in Apotheken, bei der AOK und der Barmer sowie bei der Deutschen Bahn erhältlich. Wer als Gewinner gezogen werden will, darf nicht schummeln. Die rauchfreie Zeit muss durch einen Urintest beim Arzt nachgewiesen werden. Nur Entwöhnungshilfen wie Nikotin-Kaugummis sind erlaubt.