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| 01:27 Uhr

Jüdischer Friedhof in Weißwasser geweiht

Landesrabbiner Salomon Almekias-Siegl weiht den Jüdischen Friedhof. Foto: Joachim Rehle/jor1
Landesrabbiner Salomon Almekias-Siegl weiht den Jüdischen Friedhof. Foto: Joachim Rehle/jor1 FOTO: Joachim Rehle/jor1
Weißwasser. Fast 30 Jahre ist es her, dass der Jüdische Friedhof in Weißwasser 1982 eingeebnet wurde. Am Mittwoch ist er nach jahrelanger Arbeit der Denkmalkommission der Stadt wieder eingeweiht worden. „Dass sich so viele Bürger dafür einsetzen, tut wohl in der Seele“, so Nora Goldenbogen von der Jüdischen Gemeinde in Dresden. Auch Peter Fischer vom Zentralrat der Juden lobt das Engagement der Weißwasseraner. „Das ist überhaupt nicht selbstverständlich.“ Von Martina Albert

Die Wiedereinweihung des Jüdischen Friedhofs in Weißwasser (Kreis Görlitz) ist ein bewegender Moment für Inge Standfuß. Die 78-Jährige ist Jahrgang 1931, hat als junges Mädchen Krieg und Flucht miterlebt und ist doch wieder in ihrer Heimatstadt Weißwasser gelandet. “Sich an seine Geschichte zu erinnern, ist so wichtig„, sagt sie.

Auch sie selbst erinnert sich. Zum Beispiel daran, dass sie als Kind in Weißwasser in Behandlung bei einem jüdischen Arzt war. Dr. Hermann Altmann nahm sich, nachdem er jahrelang von den Nazis terrorisiert wurde, am 4. November 1940 das Leben. Zwar hat er seine letzte Ruhestätte nicht auf dem Friedhof in Weißwasser, sondern in Görlitz gefunden, doch am Ende ging es am Mittwoch auch um ihn, um das Aufarbeiten von Geschichte. “Wissen um regionale Geschichte ist ein Schatz„, betont Peter Fischer vom Zentralrat der Juden. Allein mit “moralischer Entrüstung„ sei es nicht getan. Gerade auch angesichts des Anschlags auf die Dresdner Synagoge am vergangenen Wochenende tue es gut zu sehen, dass es Menschen gebe, die etwas dagegen setzen - so wie in Weißwasser. Und das nicht nur mit dem nun wieder eingeweihten jüdischen Friedhof.

Fischer selbst hat seit Jahren eine enge Verbindung zu Weißwasser, gehört dem 2005 gegründeten Verein “Zukunft gestalten, ohne zu vergessen„ an, der sich der Aufarbeitung regionaler Geschichte und hier besonders den Geschehnissen während der Nazizeit widmet. In ihm ist auch Heimathistoriker Werner Schubert engagiert, der die Idee, den jüdischen Friedhof in Weißwasser wiederzubeleben, im Jahr 2000 erstmals in den Raum stellte.

2003 bekannte sich die frischgegründete Denkmalkommission der Stadt schließlich zu dem Ziel, die ehemalige Begräbnisstätte wieder kenntlich zu machen. Doch bis zur Einweihung am Mittwoch war es ein langer und steiniger Weg. So war es schwierig, die genaue Lage der jüdischen Begräbnisstätte zu lokalisieren. Im Detail gelang das erst 2007 der Gymnasiastin Susanna Schmiedgen aus Weißwasser. Sie schrieb ihre Belegarbeit über die Geschichte des jüdischen Friedhofs, durchforstete alte Unterlagen - und war erfolgreich, das Areal konnte eingezäunt werden. Mittwoch weihte Landesrabbiner Salomon Almekias-Siegl das Areal. Neben einer Informationstafel zur Geschichte des Jüdischen Friedhofs findet sich dort seit Montag auch ein Grabstein. Er trägt 13 Namen. Darunter den von Weißwassers Ehrenbürger Joseph Schweig, der das Gelände für die Begräbnisstätte 1903 gekauft hatte.

Ebenfalls auf dem Grabstein finden sich die Namen von drei ungarischen Frauen, die 1944 und 1945 im Arbeitslager in Weißwasser ums Leben kamen. Auch sie gehören zur Geschichte der Stadt Weißwasser.

Zum Thema:
Der jüdische Glasfabrikant Joseph Schweig (1850 - 1923) kaufte das Areal auf dem Friedhof in Weißwasser 1903 und überschrieb es 1910 der Gemeinde Weißwasser. Da nach dem Ersten Weltkrieg nur noch wenige jüdische Bürger in Weißwasser lebten, verfiel das Areal zunehmend und wurde 1982 unter dem Vorwand der Umgestaltung eingeebnet. 2003 bekannte sich die frisch gegründete Denkmalkommission der Stadt zu dem Ziel, die ehemalige Begräbnisstätte wieder kenntlich zu machen.