Zudem sind in der Cottbuser Bahnhofstraße fünf so genannte Stolpersteine gestohlen worden. Ein weiterer Stein sei mit Teer übergossen sowie mit einem weißen Hakenkreuz beschmiert worden, hieß es von der Polizei. Die Steine sollen an in der Zeit des Nationalsozialismus deportierte jüdische Mitbürger der Stadt erinnern.

Bereits im Oktober waren zwei Stolpersteine gestohlen worden. Die Cottbuser Polizei hat eine fünfköpfige Ermittlungsgruppe zur Aufklärung der Taten gebildet.

SPD-Landtagsfraktionschef Günter Baaske sprach von einer "ungeheuren Sauerei". Die Täter wüssten gar nicht, was sie dem Land Brandenburg antun. Sie vernichteten Arbeitsplätze, denn sie schädigten den Ruf des Landes. Er hoffe, dass die Täter gefasst und hart bestraft werden.

CDU-Fraktionschef Thomas Lunacek wehrte sich gegen Aussagen, wonach der Rechtsextremismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei. Die übergroße Mehrheit der Brandenburger seien Demokraten.

Der rechtspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Die Linke aus dem Wahlkreis Cottbus/Spree-Neiße, Wolfgang Neskovic, reagierte bestürzt. "Von unbekannten Tätern zu sprechen, trifft wohl kaum den Kern. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich hier um organisierte Rechtsextreme." Zugleich äußerte er sich skeptisch zu den Aussichten für ein neues NPD-Verbotsverfahren. Benötigt würden vielmehr "ein gesellschaftliches Klima der Toleranz, eine intensive Bildungs- und Aufklärungsarbeit beginnend in den frühesten Schuljahren und eine gesicherte finanzielle Unterstützung antifaschistischer Projekte und allgemeiner Jugendarbeit".

Der Leiter der Regionalen Arbeitsstellen für Ausländerfragen (RAA), Alfred Roos, sagte: "Die erschreckende Schändung des Gedenksteins für die Synagoge in Frankfurt (Oder) hat deutlich gemacht, dass der Antisemitismus auch in Brandenburg Bestandteil rechtsextremer Denkmuster ist." Er begrüßte die spontanen Reaktionen der Politiker und Bürger. Es sei Aufgabe des Staates und aller Demokraten, die Sicherheit der Gemeinden und der Menschen jüdischen Glaubens zu gewährleisten.

Roos rief zudem zum "Tag der Demokraten" gegen den Nazi-Aufmarsch an diesem Samstag in Halbe (Dahme-Spreewald) auf. Wo die rechtsextreme Demonstration stattfindet, ist noch unklar. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg werde bis Donnerstag über die Beschwerden der Veranstalter gegen Auflagen der Polizei entscheiden, sagte eine Gerichtssprecherin. Die Polizei hatte den Rechtsextremen untersagt, direkt an der größten Kriegsgräberstätte Deutschlands aufzumarschieren. Hier sind rund 24 000 Opfer des Zweiten Weltkriegs begraben.

Die Polizei will auch für die angemeldete Neonazi-Demonstration in Seelow (Märkisch-Oderland) an diesem Samstag Einschränkungen vorgeben. "Wir werden per Auflagen sichern, dass es zu keinem "Heldengedenken" auf dem Friedhof kommt", sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums Frankfurt (Oder). Angemeldet sei ein Aufmarsch zum Friedhof. Die Aktion war von einem der Organisatoren des geplanten Aufmarsches von Halbe angemeldet worden.

Ein neues Versammlungsrecht für Brandenburg verbietet seit kurzem Versammlungen an Gräberstätten. Auf dem städtischen Friedhof von Seelow ruhen nach Angaben des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge 649 deutsche Gefallene, die zumeist im Frühjahr 1945 bei den Kämpfen um die Seelower Höhen ums Leben gekommen sind.

Erst in der vergangenen Woche hatten Rechtsextreme in Frankfurt (Oder) an einem Gedenkstein für eine Synagoge in Frankfurt (Oder) randaliert. Der Vorfall ereignete sich nach der Gedenkfeier zur Pogromnacht und hatte im ganzen Land für Empörung gesorgt. Die Staatsanwaltschaft beantragte insgesamt neun Haftbefehle, das zuständige Amtsgericht lehnte die Anträge am Freitag aber aus Mangel an Haftgründen ab.

Das Amtsgericht habe lediglich keine Fluchtgefahr gesehen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es sei aber nach wie vor von einem "schlimmen Fall der Volksverhetzung" auszugehen, betonte er.