"Aber es kann auch schon mal zehn Jahre dauern." Wer zu Weber kommt, hat nur eingeschränkte Möglichkeiten der Partnerwahl. Der Frankfurter ist von Beruf her Schadchen, das ist Hebräisch und heißt: Kuppler. Zu ihm gehen ausschließlich Juden, die Jüdinnen suchen, oder umgekehrt. Weber führt diese lange Tradition fort und ist nach eigenen Angaben der einzige Schadchen im deutschsprachigen Raum inklusive Schweiz und Belgien.
Das besondere Problem seiner Agentur Simantov ("gutes Zeichen") besteht darin, dass die Kunden meist weit entfernt voneinander leben. Denn wer vor Ort heiraten wolle, habe es schwer. In Frankfurt zum Beispiel hat die jüdische Gemeinde 7000 Mitglieder. "Da kennen sich viele vom Spielen im Sandkasten her und verlieben sich nicht ineinander", sagt Weber, der fünf Sprachen spricht. In Europa gebe es nur etwa 15 000 Juden, die einen Partner suchten. "Diese Zahl haben normale Heiratsinstitute in ihrer Kartei." Der Sohn eines deutschen Juden, der 1939 nach Kolumbien emigrierte, verspricht Abhilfe. Aber seine Klienten machen es ihm nicht immer leicht. Viele haben schon einige Jahre vergeblich einen Heiratskandidaten gesucht und erwarten schnelle Erfolge. Wie die 37-jährige Jüdin aus Moskau, die sich an den Profi wandte. Als Weber nach drei Monaten noch keinen passenden Kandidaten liefern konnte, beschimpfte ihn die Frau. "Sie sagte: "Du bist unseriös. Ich kenne ein paar Tschetschenen, die werden Dich fertig machen." Aus Rache vermittelte der Schadchen der Frau einen Klienten aus Brüssel - "einen absoluten Quälgeist", sagt Weber. Der Trick funktionierte, die beiden haben geheiratet. Rund 200 Ehen hat Weber in seiner 20-jährigen Tätigkeit bisher gestiftet.
Das Geschäft läuft auch wegen der rund 60 000 Juden gut, die in den vergangenen Jahren aus Russland nach Deutschland eingewandert sind. Viele dieser Zuwanderer haben in ihrer Heimat die religiösen Wurzeln verloren und suchen nach einem Partner, der die jüdische Tradition pflegt.
Eine spezielle Ausbildung hat der Eheanbahner nicht, lange Jahre hat er als Vermögensberater gearbeitet. "Bei beiden Berufen geht es um das Intimste des Menschen: sein Geld und sein Herz."