Erneut hat die beharrliche Berichterstattung über rechtsextreme Strömungen die Jury des Journalistenpreises „Der lange Atem“ am meisten beeindruckt. Simone Wendler („Lausitzer Rundschau“) erhielt die mit 3000 Euro dotierte Auszeichnung in Form einer Glasskulptur am Dienstagabend in Berlin für ihre zweijährige Recherche über die rechtsradikale Szene in der Lausitz. Bereits 2012 hatte die achtköpfige Jury unter Vorsitz von Hans-Ulrich Jörges („Stern“) die beharrliche Berichterstattung über Rechtsextremismus gewürdigt, damals ging der erste Preis an Frank Jansen („Tagesspiegel“).

Jurorin und Laudatorin Dagmar Engel (Deutsche Welle) lobte, dass die Texte von Simone Wendler das Netzwerk sichtbar machten, in dem Rechtsradikale handelten: „Ob Kickboxverein, Rockerclub oder Energie-Cottbus-Fanblock - das Personal bleibt dasselbe.“ Gerade in ländlichen Regionen wie der Lausitz sei das Engagement der Autorin sehr mutig. Die „Lausitzer Rundschau“ ist für ihre trotz Angriffen unbeirrte Berichterstattung über Rechtsextreme bereits mehrfach prämiert worden, etwa mit dem Henri-Nannen-Preis und dem Preis für Zivilcourage des Berliner Holocaust-Mahnmals.

Mit dem zweiten Preis (2000 Euro) für seinen „langen Atem“ wurde der freie Journalist Mario Kaiser für seine Langzeitreportagen zu Sozialstaat und Prekariat ausgezeichnet, der dritte Preis (1000 Euro) ging an Katrin Rothe (RBB/arte) für ihren Film „Betongold“ über die Chronik der Entmietung ihrer Berliner Wohnung.

Der bereits zum siebten Mal ausgelobte Preis für Journalisten, die sich mit Mut, Sorgfalt und Beharrlichkeit einem gesellschaftlich relevanten Thema über einen längeren Zeitraum gewidmet haben, wurde vor rund 300 Gästen aus Medien, Politik, Wirtschaft und Kultur in der Akademie der Künste überreicht. Zehn Berichterstatter waren nominiert worden, die Preisträger wurden erst bei der Verleihung verkündet.