Fast zehn Jahre lang war sie in Brandenburg für Wissenschaft und Forschung zuständig. Seit Samstag steht fest: Die frühere Brandenburger CDU-Vorsitzende Johanna Wanka ist Nachfolgerin der über den Entzug ihres Doktortitels gestolperten Annette Schavan designierte Bundesforschungsministerin.

Mathematikerin mit Erfahrung

Wofür steht die neue Ministerin, und welche Erfahrungen bringt sie mit? Sie ist Mathematikerin, keine Geisteswissenschaftlerin, wie Annette Schavan. Aber genau wie Annette Schavan hat auch ihre designierte Nachfolgerin Johanna Wanka reichhaltige Erfahrungen in der Wissenschaftspolitik. In den vergangenen drei Jahren war sie Forschungsministerin in Niedersachsen. In der Zeit der Großen Koalition in Brandenburg war sie zuvor im selben Amt im Kabinett von Matthias Platzeck tätig: Fast zehn Jahre lang trug sie Verantwortung für die Hochschulen und Universitäten des Landes. Und zuvor war sie als Präsidentin der Hochschule Merseburg selbst in der universitären Praxis tätig.

"Johanna Wanka hat einen Blick für die ostdeutsche Hochschullandschaft", sagt der Lausitzer FDP-Bundestagsabgeordnete Martin Neumann der RUNDSCHAU. Der Wissenschaftspolitiker ist Mitglied im Forschungsausschuss des Deutschen Bundestags und Professor an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Er hofft darauf, dass die 61-jährige Wanka die von ihrer Vorgängerin begonnenen Projekte, etwa die Aufhebung des Kooperationsverbots von Bund und Ländern bei der Finanzierung von Forschungsprojekten fortführt. "Auch persönlich habe ich einen guten Draht zu ihr." Und auch der Brandenburger CDU-Landesvorsitzende und Fachhochschulprofessor Michael Schierack würdigt Johanna Wanka als eine der "profiliertesten Wissenschaftspolitikerinnen unseres Landes". Er habe sie als "kluge, verlässliche und durchsetzungsstarke Frau kennengelernt", so Schierack. Wobei wohl viele in der Brandenburger CDU nun hoffen dürften, dass vom Glanz der frischgekürten Ministerin auch etwas auf den eher dahindümpelnden Landesverband abfällt.

Immerhin war die Potsdamerin Wanka 2010 auch einige Monate als Landesvorsitzende der Brandenburger CDU und Oppositionsführerin in Potsdamer Landtag aktiv. Doch die schon damals berüchtigten internen Querelen der Brandenburger CDU machten ihr das Leben schwer - am Ende folgte Johanna Wanka gern dem Ruf in das Kabinett von David McAllister nach Hannover. Damit war die Mitbegründerin des Neuen Forums in Merseburg knapp zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung zugleich die erste ostdeutsche Ministerin im Kabinett eines West-Bundeslands.

Ihre Netzwerke spann Wanka freilich nicht nur im Bereich der Forschungspolitik. Als engagierte Protestantin gehört sie dem Evangelischen Arbeitskreis der CDU/CSU an, einem Netzwerk evangelischer Christen in der Union, dessen Bundesvorsitzende 1992 und 93 auch schon einmal Angela Merkel war. Heute wird der Arbeitskreis von Thomas Rachel geleitet - dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesforschungsministerium. Er wird sich damit auseinandersetzen müssen, dass Wanka als entschiedende Anhängerin von Studiengebühren auch manche politisch unbequeme Position vertritt. Noch im Juli hatte Wanka angekündigt, dass es binnen fünf Jahren in Deutschland bundesweit wieder Studiengebühren geben werde. Dies sei schon wegen der "Notwendigkeit ausgeglichener Haushalte" erforderlich. Alles andere sei "Populismus", hatte Wanka damals getönt.

Hoffnung und Kritik

Im niedersächsischen Wahlkampf war die Ministerin deswegen unter Druck geraten. Zumal nahezu zeitgleich in Bayern ein erfolgreiches Volksbegehren gegen Studiengebühren stattfand, und die sonst eher sicher stehende CSU-Regierung in die Knie zwang.

"Johanna Wanka ist eine integre Frau, aber mit dem Thema Studiengebühren ist sie etwas aus der Zeit gefallen", sagt der Brandenburger SPD-Generalsekretär Klaus Ness der RUNDSCHAU. "Mit ihren Positionen zur Studiengebühr kann sie für die CDU zu einer Belastung im Wahlkampf werden." Noch deutlicher wurde der Grünen-Fraktionchef Jürgen Trittin, der gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" davon sprach, dass Wanka gerade wegen ihrer Position zur Studiengebühr in Niedersachsen abgewählt wurde.

Andere Positionen Wankas könnten insbesondere den Lausitzer Hochschulen gefallen: Wanka setzte sich in der Vergangenheit entschieden für die Autonomie der einzelnen Universitäten und Fachhochschulen ein - ein Thema, das bekanntlich im Fusionsprozess von FH Lausitz und BTU eine große Rolle spielte.

Daneben trat die Landesministerin aus Niedersachsen in der Kultusministerkonferenz der Länder auch für einen Nachschlag des Bundes beim Hochschulpakt ein: Die Bundesländer fordern geschlossen und mit viel Nachdruck vom Bund beim Hochschulpakt für die Studienanfänger aus den geburtenstarken Abiturjahrgängen einen Nachschlag von 1,9 bis 3,4 Milliarden Euro. Das Geld hat aber Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in seiner Planung bisher gar nicht vorgesehen.