Im Jahr 2004 habe sie rund 1800 Rat suchende betreut. Dazu zählten sowohl Arbeitslose als auch Menschen, die Angst um ihren Job haben. Erfolgreiche Vermittlungen gibt es unter anderem nach Österreich und Skandinavien.
In Nordeuropa werde unter anderem medizinisches Personal wie Krankenschwestern und Physiotherapeuten gesucht, berichtet die DRK-Beraterin. In Österreich, der Schweiz und in den Niederlanden seien Baufachleute wie Architekten, Ingenieure und Handwerker gefragt. Allerdings warnt Gilge vor allzu großem Optimismus. „Berufserfahrung ist auch im Ausland ein wichtiges Einstellungskriterium.“ Zugleich seien in vielen Branchen Fremdsprachenkenntnisse unumgänglich.

Polen kein Jobsucher-Land
Während es Jobsuchende in den Norden und in Richtung Westen zieht, ist Polen für auswanderungswillige Bran denburger offenbar noch kein Traumland. „Wir hatten noch keine Anfrage von deutschen Handwerkern, die nach Polen gehen wollen“, sagt Fred Winter von der Handwerkskammer Frankfurt (Oder). Das Nachbarland sei für deutsche Handwerker wenig interessant, da Lohn- und Preisniveau deutlich unter den deutschen Standards liegen.
Eugenia Gilge bestätigt diesen Trend. Bisher hätten sie nur vereinzelte Anfragen von Selbstständigen erreicht, die ihr Glück in Polen suchen wollten. Allerdings müsse sie manchem Brandenburger auch vom Schritt ins Ausland abraten. Wer eine neue berufliche Chance im Ausland suche, sollte neben Sprachkenntnissen und Erfahrungen im Arbeitsleben in der Regel auch die nötige Qualifikation vorweisen können. Außerdem empfiehlt Gilge allen Auswanderungswilligen, sich gründlich zu informieren.

Kostenlose Beratung
Sie berät Interessenten unter anderem über Sozialversicherungs- und Visamodalitäten. In diesen Gesprächen, die das DRK in seiner einzigen Auslandsberatungsstelle in Potsdam kostenlos anbietet, seien meist viele Probleme zu klären. „Die Leute kommen oft mit einer oder zwei Fragen. Nicht selten dauern die Beratungen dann dennoch länger als eine Stunde.“
Für viele ihrer Klienten hat sich der Aufwand bezahlt gemacht, erklärt Gilge. Sie berichtet von einem Handwerker aus dem Landkreis Potsdam-Mittelmark, der gerade einen Arbeitsvertrag bei einem Unternehmen in Kanada unterschrieben habe. Der Mann wolle demnächst mit seiner Familie dorthin übersiedeln. Andere Brandenburger, die die Beraterin bei der Jobsuche im Ausland unterstützt hat, brechen ihre Zelte in der Mark nicht komplett ab, sondern pendeln.
Unterdessen belegt eine jüngst veröffentlichte Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dass sich immer mehr Jobsucher um ein kleiner werdendes heimisches Stellenangbot rangeln. So sei die Zahl der von Unternehmen angebotenen Stellen im Durchschnitt des vierten Quartals 2004 auf 790 000 gesunken. Noch im Jahr 2000 waren es etwa doppelt so viele.
Die Gründe für diese Entwicklung überraschen kaum: Als wichtigstes Einstellungshemmnis nennen rund 30 Prozent aller befragten Betriebe zu wenig Aufträge oder zu wenig Umsatz. Noch im Herbst hatten nur 21 Prozent dies als Hinderungsgrund für die Schaffung neuer Arbeitsplätze genannt. Jobsucher sollten nach IAB-Einschätzung ihr Augenmerk bei Bewerbungen vor allem auf kleinere und mittlere Unternehmen richten. Denn mehr als die Hälfte der zwischen Oktober bis Ende Dezember 2004 angebotenen Stellen stammten von Firmen mit weniger als 50 Mitarbeitern. Am häufigsten waren Betriebe mit einem bis neun Beschäftigten auf der Suche nach neuen Kollegen, am seltensten Großbetriebe mit 1000 Beschäftigten und mehr.

Zunehmend interne Suche
Dabei setzen Firmen der Befragung zufolge bei der Besetzung freier Plätze stärker auf die interne Suche: Mehr als 40 Prozent der Stellen wurden über die Empfehlung eigener Mitarbeiter, anderer persönliche Kontakte oder nach erfolgreichen Praktika vergeben. Wachsende Bedeutung erhalten zudem Internet-Jobbörsen, der sich Unternehmen nach der IAB-Studie inzwischen in rund 35 Prozent der Fälle bedienen. Die Rolle der örtlichen Arbeitsagenturen bei der Jobvermittlung scheint zu schwinden. Nach IAB-Angaben hatten die Firmen im vierten Quartal 2004 den Agenturen 17 Prozent weniger Stellen gemeldet als 2003. Besonders stark sank die Meldequote in Ostdeutschland. (dpa/pk)