Dabei sollte es doch ein Tag der Abrechnung werden, ein Tag neuer Erkenntnisse, zumal der am Dienstag öffentlich gewordene Zwischenbericht des Konzerns zu der Affäre die Abgeordneten nicht zu überzeugen vermochte. Doch "wer, wo, was wusste, das ist momentan noch gar nicht darstellbar", resümierte während der Sitzung Unions-Verkehrsexperte Hans-Peter Friedrich (CSU). "Wir sind wieder am Anfang", ergänzte ein enttäuschter FDP-Mann Horst Friedrich. Bahnvorstand Wiesheu blieb indes aufreizend gelassen: Die Thematik müsse schließlich "gründlichst geprüft werden, das braucht eine bestimmte Zeit". Bislang liegt nur ein Zwischenergebnis zu der Überprüfung der Affäre vor. Bis Ende März will die Bahn dann einen extern erstellten Abschlussbericht über die Vorgänge präsentieren. Eingeräumt hat das Unternehmen inzwischen, von 1998 bis 2007 fünf große Datenabgleich-Aktionen veranlasst zu haben. Selbst eine Mitwisserschaft von Bahn-Mitarbeitern an möglichen Gesetzesverstößen, die durch externe Dienstleister begangen worden sein könnten, gilt inzwischen als möglich. Der Konzernrevision wird dabei die Hauptschuld an den Unregelmäßigkeiten zugeschrieben, dem Vernehmen nach ist die Abteilung direkt Vorstandschef Hartmut Mehdorn unterstellt. Der Vorstand habe aber nichts von den Vorgängen gewusst, heißt es in dem Bericht. Fraktionsübergreifend wurde gestern jedoch bezweifelt, dass der Bahnspitze während der zehnjährigen Ausforschungsdauer von den Machenschaften der Konzernrevision nichts bekannt geworden ist. Seitens der Grünen hieß es, vor allem die Ermittlung von Kontodaten und die Ausforschung von Kontobewegungen habe eine strafrechtliche Relevanz. Derjenige, der für Aufklärung hätte sorgen können, kam jedoch nicht: Er heißt Josef Bähr, war bisher Leiter der Konzernrevision und ist offenbar eine zentrale Figur in der Affäre. Er war zu der Sitzung geladen, wurde aber kurz davor von der Bahn beurlaubt. Bährs Nichterscheinen erklärte Bahn-Vorstand Wiesheu damit, dass er sich nicht habe selbst belasten wollen, was sein Recht sei. Im Ausschuss wurde dies verärgert zur Kenntnis genommen, manch einer vermutete hinter der Beurlaubung sogar einen Schachzug von Bahnchef Mehdorn. "Die entscheidenden Personen verweigern die Aussage", ärgerte sich der Grünen-Abgeordnete Anton Hofreiter, der erneut den Rücktritt des Konzernchefs verlangte. Doch bei den schwarz-roten Koalitionären scheint Mehdorn trotz aller Kritik wieder fester im Sattel zu sitzen: Aufklärung sei mit ihm schließlich leichter zu erreichen, "als ohne ihn", gab SPD-Mann Christian Carstensen die Grundhaltung wieder. Am 4. März will der Ausschuss jetzt Mehdorn und Bähr hören. Annehmen müssen sie diese Einladung aber nicht - beide können zu einer Aussage nicht gezwungen werden.