Für die Araber, die sich wie der ägyptische Präsident Husni Mubarak und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas seit Jahren um einen Frieden durch Verhandlungen bemühen, ist der Rechtsruck in der Knesset ein Schlag ins Gesicht. "Wir stehen am Beginn einer gefährlichen Ära", urteilt die königstreue Presse in Jordanien.Krieg statt Frieden gewählt"Wie auch immer die nächste israelische Regierungskoalition aussehen wird, sie wird auf jeden Fall nicht die Basis haben, um Frieden zu schaffen", zitiert die Zeitung "Al-Sharq Al-Awsat" am Donnerstag den palästinensischen Chefunterhändler Saeb Erekat. Der israelische Wähler hat nach Ansicht Erekats nicht "den Frieden im Sinne der Palästinenser und Syrer" gewählt, sondern "den Krieg im Sinne des Iran". Die Hamas im Gazastreifen sieht sich bestätigt: "Weder die früheren Regierungen noch die künftige israelische Regierung haben an den Frieden mit den Palästinensern geglaubt. Die Ergebnisse der Wahlen sind der Beweis, dass die Israelis radikaler geworden sind", sagt Hamas-Sprecher Fausi Barhum.Dabei waren es auch die von militanten Palästinensern aus dem Gazastreifen abgefeuerten Raketen und Mörsergranaten, die das rechte Lager in Israel so stark gemacht haben. Die Hamas hat mit den ultra-rechten Parteien in Israel eins gemein: Beide stehen einer Zwei-Staaten-Lösung zurzeit im Wege. Rechte israelische Politiker rufen zum Sturz der Hamas auf, und auch die Hamas setzt weiter auf Gewalt. "Die Palästinenser müssen sich jetzt wieder vereinen und den bewaffneten Widerstand stärken, denn die einzige Sprache, die Israel versteht, ist die Sprache von Krieg und Terror", sagt Barhum.Hoffnung gegen nullEin Wahlverlierer ist auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Der Glaube an den Friedensprozess, für den Abbas steht, tendiert unter seinen Landsleuten gegen null. "Der Friedensprozess hat vor vielen Monaten aufgehört. Selbst wenn er unter den gegenwärtigen Umständen fortgesetzt würde, hätte er keine Zukunft, keinen Ergebnishorizont und keinerlei Bedeutung", sagt der anerkannte palästinensische Fernseh-Kommentator und frühere Minister Ghassan Chatib. Der letzte Strohhalm, an den sich die moderaten Araber jetzt klammern, ist der neue US-Präsident Obama. Sie hoffen, dass er sie nicht mit einer radikalen israelischen Regierung alleine lassen wird, die jüdische Siedlungen auf besetztem Boden ausbaut und Friedensverhandlungen bestenfalls nur führt, "um Zeit zu schinden". Sie wollen, dass er Israel zwingt, die arabische Friedensinitiative von 2001 zu akzeptieren, die dem jüdischen Staat eine Normalisierung der Beziehungen zu den arabischen Ländern anbietet, falls sich Israel aus allen 1967 besetzten Gebieten zurückziehen sollte.Ordnung im eigenen Lager"Einige (arabische Politiker) wollen jetzt erst einmal abwarten, wie der US-Präsident mit dem neuen israelischen Kriegsministerium umgeht", schreibt ein Kommentator der libanesischen Zeitung "Al-Safir". Er rät den arabischen Führern jedoch, nicht die Hände in den Schoß zu legen und auf Hilfe aus Washington zu hoffen, sondern erst im eigenen Lager für Ordnung zu sorgen. Denn nicht nur Hamas und Fatah sind uneins, was ihre Haltung zu Israel angeht, sondern auch Ägypten und Syrien, Saudi-Arabien und Katar.