Im polnischen Leknica, der Nachbarstadt von Bad Muskau (Kreis Görlitz) scheint auf den ersten Blick alles wie immer. Auf dem Markt warten Händler auf Kunden und vertreiben sich die Zeit mit einem Schwatz am Nachbarstand. Doch die zahlreichen polnischen Flaggen mit Trauerflor weisen auf die Tragödie hin, die das Nachbarland durch den Absturz der Maschine mit führenden Regierungsvertretern ereilt hat. Auch an der Tankstelle von Matide Dobnymiewska hängt die Fahne auf Halbmast. "Der Absturz ist für uns alle ein Schock. Natürlich reden wir mit den Kollegen darüber, aber das Leben muss weitergehen", sagt die Tankstellen-Chefin. Dank für AnteilnahmeAuf dem Markt hat Maciej Marszalkowski die Zeitung aufgeschlagen, in der ausführlich über das Unglück berichtet wird. "Es geht mir nicht um Politik, die menschliche Tragödie macht mich tief betroffen", sagt der 40-Jährige. Maciej Marszalkowski hat von dem Unglück durch den Fernseher erfahren, den er in seinem Stand hat. Die Nachricht hat sich wie ein Lauffeuer über den Markt verbreitet. Theresa Smiech wollte es zuerst gar nicht glauben: "Wir waren alle total erschrocken." Sie findet es besonders tragisch, dass ein großer Teil der Elite des Landes auf diese Weise ausgelöscht wurde. "Es tut aber gut, dass die ganze Welt mit Polen trauert und auch Angela Merkel kondoliert hat", sagt sie. In Gubin, der Nachbarstadt von Guben (Spree-Neiße), wehen gleich hinter der Grenzbrücke rot-weiße Fahnen mit schwarzem Trauerflor. An der Post, an Banken, an Kreuzungen, Schulen, Einkaufsmärkten und Tankstellen, selbst an Balkonen von Wohngebäuden hängen Trauerfahnen. Überall in der Stadt ist die Trauer der Menschen spürbar. Vor der Ruine der Stadt- und Hauptkirche neben dem Gubiner Rathaus flackern viele Kerzen. Gerade zündet eine Frau ein weiteres Licht an und stellt es behutsam zu den anderen. Im Zaun hinter den Lichtern steckt ein Strauß Forsythien-Zweige. Flaggen auf HalbmastGubens stellvertretender Bürgermeister Fred Mahro (CDU) spricht in Gubin Jacek Hoffmann, Landrat des Landkreises Krosno Odrzañskie, im Namen aller Gubener Bürger sein Mitgefühl aus. Mahro und Hoffmann sind sich sicher, der Verlust werde Polen und Deutsche noch enger zusammenbringen. Gubens Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner (FDP) überreichte am Montag der stellvertretenden Bürgermeisterin Gubins, Malgorzata Wrobel, ein Beileidsschreiben auch im Namen der Stadtverordneten. Am Tag der Beisetzung der Unglücksopfer werden in Guben und vielen anderen Städten der Region die Fahnen als Zeichen des Mitgefühls mit den Polen auf Halbmast wehen. Briefe an PartnerstädteBeileidsbekundungen schickten inzwischen zahlreiche deutsche Kreise und Städte aus dem Grenzgebiet an ihre polnischen Partnergemeinden, darunter Senftenberg, Lübben, Falkenberg, Elsterwerda, Krauschwitz, Bad Muskau, Cottbus, sowie die Landkreise Spree-Neiße, Oberspreewald-Lausitz, Dahme-Spreewald und Görlitz. Der Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU), zeigte sich ebenso tief bestürzt von dem Flugzeugunglück, bei dem zahlreiche polnische Politiker ums Leben kamen, wie der Oberbürgermeister von Görlitz, Joachim Paulick (parteilos). Görlitz bildet seit 1998 mit dem benachbarten Zgorzelec eine gemeinsame Europastadt.