Danach sind die Lausitzer Unternehmen in der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK) Cottbus und Dresden noch nie gefragt worden. Sie sollten ihre Abhängigkeit von der Braunkohle bewerten, alternative Geschäftsfelder und Herausforderungen des Strukturwandels benennen.

Das Ergebnis ist ernüchternd, denn "jedes zweite befragte Unternehmen quer durch alle Wirtschaftsbereiche hat direkte oder indirekte Beziehungen zur Energie- und Braunkohlebranche", erläutert der Cottbuser IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger. Dies belege, "wie tiefgreifend der anstehende Strukturwandel in der Lausitz ist", betonte Krüger bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse im Leuchtturm-Hotel am Geierswalder See. Er fügte hinzu, dass die Lausitzer Unternehmen (mehr als 600 hatten sich beteiligt) die Lage realistisch einschätzen würden. Denn aus den Antworten gehe hervor, dass für die wirtschaftliche Zukunft in der Region nicht nur eine einzige industrielle Alternative infrage kommen könne. "Die Basis muss weiter verbreitert werden", ergänzte Detlef Hamann, Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden.

Als größte Herausforderung auf dem Weg des bevorstehenden Strukturwandels in den nächsten Jahrzehnten sehen 65 Prozent der Unternehmen von Görlitz und Bautzen bis Cottbus und Herzberg die Neukundenakquise. 45 Prozent erachten die Erschließung neuer Geschäftsfelder als Schwerpunkt. Und immerhin 27 Prozent verweisen auf die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen (siehe Grafik).

Als durchaus überraschend bewerten es die Kammer-Verantwortlichen, dass in der Umfrage der Ausbau der Tourismuswirtschaft weit vorn bei den Zukunfts-Alternativen für die Lausitz rangiert. Mit 73 Prozent liegt dieser Wert vor dem Ausbau der erneuerbaren Energie (47). "Um Wertschöpfung und Wohlstand für die Region zu erhalten und auszubauen, braucht es Industriearbeitsplätze", sagt Krüger. Die IHK Cottbus sei zurzeit dabei, ein Gremium mit mehreren Partnern zu schaffen, das den anspruchsvollen Prozess des Strukturwandels führen soll.

Die gegenwärtige Konjunktur in der Lausitz zeigt sich nach Angaben von Detlef Hamann auf hohem Niveau stabil. In den zurückliegenden fünf Jahren habe es jedoch keine wesentlichen Steigerungen gegeben. Immerhin 55 Prozent der Betriebe berichten über eine gute Geschäftslage. Umsatzzuwächse verzeichneten vor allem der Maschinenbau und die Papierindustrie. Die Prognosen der Industrie würden einen eher moderaten Geschäftsverlauf signalisieren. Ursache sei vor allem die schwache Inlandsnachfrage. So rechnen 21 Prozent mit sich verschlechternden Geschäften. Zu beklagen bleibt, dass weiter viel zu wenig auf Innovationen gesetzt wird.

"Die Optimisten sitzen im Handel", fasst Hamann die Aussichten zusammen. Hier werde offenbar mit dem Weihnachtsgeschäft geliebäugelt.

Konjunkturumfrage Lausitz:

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