Am morgigen Sonntag wird der Weltkindertag gefeiert. Auch in Deutschland gibt es dazu zahlreiche Veranstaltungen, die größten in Berlin und Köln. Manchen Kindern dürfte allerdings wenig nach Frohsinn zumute sein. Nach den Daten der Bundesarbeitsagentur, die der RUNDSCHAU vorliegen, sind immerhin 15,7 Prozent der Altersgruppe zwischen null und 15 Jahren auf staatliche Hilfe zur Sicherung des Existenzminimums angewiesen.

"Genauer betrachtet geht es beim Thema Kinderarmut nicht unmittelbar um die Armut der Kinder, sondern um die Armut ihrer Eltern und deren Auswirkung auf die Kinder", sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann, zur RUNDSCHAU. Leider sei es immer noch so, dass Kinder das größte Armutsrisiko darstellten.

So sieht das offenbar auch eine große Mehrheit in der Bevölkerung. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage von infratest dimap ist nur jeder vierte Bundesbürger der Meinung, dass sich die Politik in großem Maße für die Bekämpfung der Kinderarmut einsetzt. Dabei hat sich die Lage in den vergangenen Jahren eher noch verschlechtert. 2012 lag die Quote der hilfebedürftigen Kinder bei glatt 15 Prozent. 2014 waren es schon 15,4 Prozent.

Zwischen den einzelnen Bundesländern gibt es allerdings erhebliche Unterschiede. Insbesondere die Stadtstaaten liegen deutlich über dem Durchschnitt. Der BA-Statistik zufolge lebt in Berlin und Bremen aktuell sogar jedes dritte Kind von Hartz IV. Die Quoten liegen hier bei 33,5 beziehungsweise 32,9 Prozent. In Hamburg sind es 21,7 Prozent. Vergleichsweise entspannt ist die Situation dagegen in den Südländern Bayern und Baden-Württemberg, die auf Quoten von 7,3 beziehungsweise 8,5 Prozent verweisen können. In Niedersachsen liegt die Quote bei 15,6 Prozent, in Nordrhein-Westfalen bei 19,4. Hessen kommt 15,3, Rheinland-Pfalz auf 12,4. Brandenburg und Sachsen liegen bei 18,8 beziehungsweise 18,5 Prozent.

"Die Bundesregierung muss endlich wirksame Schritte gegen Kinderarmut einleiten", verlangte Zimmermann. Die sozialen Leistungen müssten Armut verhindern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.

In einer eher ungewöhnlichen Allianz hatten sich schon Anfang September auch Arbeitgeber und Gewerkschaften für ein Hilfsprogramm zugunsten von Hartz-IV-Familien starkgemacht. Es sieht unter anderem Lohnkostenzuschüsse vor, um wenigstens ein betroffenes Elternteil in Arbeit zu bringen. "Wenn die Kinder beide Elternteile immer nur zu Hause erleben und nicht sehen, dass mindestens ein Elternteil einer Arbeit nachgeht, hat das schlimme pädagogische Auswirkungen", hieß es damals bei der Arbeitgeberseite.