Ein Grund dafür ist, dass etwa zehn Prozent der rund 41 000 Schulabgänger 2008 ihre Schulzeit ohne Zeugnis beendet haben und so kaum vermittelbar sind.
Zwar haben laut Kultusministerium noch in keinem Jahrgang zuvor derart viele Schüler einen Abschluss mit 1,0 oder ähnlich guten Noten erreicht. Zugleich ist die Quote der Abgänger ohne Zeugnis jedoch seit Jahren konstant. Bundesweit rangiert Sachsen damit im Mittelfeld.
Im Vorjahr belief sich die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss laut Statistik auf mehr als 3700. EU, Bund, Land, IHK und Handwerkskammern sowie die Bundesagentur für Arbeit versuchen mit zahlreichen Programmen, diese Schulabgänger trotzdem fit für den Ausbildungsmarkt zu machen. Allein für Nachschulungen im Sommer und Herbst dieses Jahres würden rund 15 Millionen Euro bereitgestellt, sagt Karla Helmsdorf von der Chemnitzer Regionaldirektion.
"Dazu rechnen wir in den berufsvorbereitenden Maßnahmen mit etwa 4200 Jugendlichen, darunter zum Teil noch aus den Vorjahren", fügt Helmsdorf hinzu. Weitere 4400 junge Männer und Frauen erhalten eine Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen. Die Kosten dafür liegen - inklusive der Weiterfinanzierung der bereits in den Vorjahren begonnenen Programme - im hohen zweistelligen Millionenbereich, wie Helmsdorf sagt. Der Erfolg der Projekte ist unterschiedlich.
So wurde ein Programm mit Workshops der IHK Dresden und der Arbeitsagentur wieder eingestellt, weil laut Fiehler "weniger als die Hälfte der angeschriebenen jungen Leute" überhaupt erschienen war. "Wir können nicht nachholen, was in der Schule versäumt wurde", fügt Fiehler hinzu. Die Chemnitzer Handwerkskammer versucht indes, mit berufsnahem Unterricht bereits Siebtklässler für ein Gewerk zu begeistern. Manchen Jugendlichen müsse verdeutlicht werden, weshalb sie in der Schule lernen, sagt Katrin Hilbert von der Handwerkskammer.

Zeit für Betreuung fehlt
Aus Sicht von Lutz Steinert von der Sächsischen Bildungsagentur liegt es nicht allein an den Schulen, wenn Schüler keinen Abschluss erlangen. Vielmehr spielten sozio-kulturelle Faktoren eine Rolle, sagt er. Schulversagen kündige sich in der Regel oft über einen längeren Zeitraum an.
Die Vorsitzende des Sächsischen Lehrerverbands, Ingrid Schwaar, will die Schulen dennoch nicht ganz aus der Pflicht entlassen. Ihrer Ansicht nach fehlt den Lehrern bei der gängigen Arbeitsbelastung im Freistaat oftmals die Zeit für eine Betreuung verhaltensauffälliger Kinder. Bei Lehrermangel falle stets der Förderunterricht zuerst aus. Die Landesregierung müsse deshalb durch Neueinstellungen das geplante Unterrichtsvolumen sicherstellen. Auch sollte die Zahl der Sozialarbeiter und Schulpsychologen erhöht werden.

Bildung in Kitas stärken
Schwaar schlägt zudem vor, den Bildungsauftrag in den Kindertagesstätten mehr zu betonen. "Dazu zählten Sprachförderung, die Schulung des Vorstellungsvermögens sowie einfache Mengenlehre", sagt sie. Die Chefin des Lehrerverbands spricht sich zudem für ein kostenfreies Mittagessen in den Kitas aus. Gerade sozialschwache Familien holten ihren Nachwuchs schon am späten Vormittag ab, da die Kinder nicht an der Mittagsversorgung teilnähmen. "Mehr als 90 Prozent der Schüler, die später schulische Probleme haben, kommen aus diesen Familien", sagt sie.
Hoffnung für Industrie und Schüler gleichermaßen bedeutet möglicherweise der neue Ausbildungsbonus der Bundesregierung. Jeder Betrieb, der einen lernschwachen oder zeugnislosen Jugendlichen zusätzlich als Lehrling anstellt, kann sich den Ausbildungsplatz staatlich mit bis zu 6000 Euro jährlich fördern lassen.