Das Ende des orangen Strahlenanzugs schien schon geregelt. "Der geht auch irgendwann nach Konrad", sagte der RWE-Manager beim Besuch eines Atomkraftwerks - mit der Betonung auf "irgendwann". Das war vor kurz vor der Katastrophe im japanischen Fukushima 2011. Schon damals hieß es, Schacht Konrad als Endlager für rund 90 Prozent der deutschen Atomabfälle sei bald startklar.

Von Medizinabfällen über Reaktorbauteile bis zur Kleidung, alles soll in das zentrale Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle bei Salzgitter. Genehmigt für 303 000 Kubikmeter. Der damalige Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) bezeichnete dieses Müllproblem schon als gelöst. Inzwischen lautet das Startdatum frühestens 2022.

Immer mehr Atommüllfässer rosten oder sind beschädigt, es wurde nicht damit gerechnet, sie jahrzehntelang in oberirdischen Lagern zu "parken". Von bundesweit rund 85 000 Behältern seien fast 2000 verrostet oder anderweitig beschädigt, berichtet der NDR. Aber das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) warnt, den Verzögerungen bei Konrad die Schuld zuzuschieben: "Jeder Besitzer radioaktiver Abfälle ist dafür verantwortlich, seine Abfälle sicher und den geltenden Bestimmungen gemäß aufzubewahren."

Um eine EU-Richtlinie zu erfüllen, wurde nun ein nationales Entsorgungsprogramm erarbeitet: Wie sich bereits seit Jahren angedeutet hat, wird sich die Menge an schwach- und mittelradioaktivem Atommüll deutlich erhöhen, statt 300 000 könnten es 600 000 Kubikmeter werden.

Theoretisch würde alles nach Konrad passen. Aber erstens wollen das die Anwohner sicher nicht und zweitens ist es nur für die Hälfte genehmigt.

Die Vermehrung hat vor allem zwei Gründe. Zum einen wird erstmals in Aussicht gestellt, auch Abfälle aus der Urananreicherungsanlage des Betreibers Urenco in Gronau als Atommüll einzustufen. "Eine Erweiterung des Endlagers Konrad für diese möglichen Abfälle wird nicht ausgeschlossen", heißt es im Entwurf. Und zum anderen hat es mit dem Asse-Debakel zu tun. Dort wurden bis 1978 rund 126 000 Fässer in unverantwortlicher Weise eingelagert. Wegen Wassereinbrüchen droht ein Absaufen, die Abfälle könnten das Grundwasser verseuchen. Sie sollen raus, zusammen mit kontaminiertem Salzgestein könnte die Menge bis zu 200 000 Kubikmeter betragen.

Aber vor 2033 kann laut Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) die Bergung nicht beginnen, und ob es überhaupt möglich ist, wird immer fraglicher. Sollte das dennoch gelingen, bräuchte man hierfür wohl ein weiteres, dann drittes Endlager. Das Wichtigste wird das für den hochradioaktiven Atommüll. Nach dem Dauerstreit um Gorleben soll ab 2016 bundesweit neu gesucht und bis 2031 ein Ort gefunden sein. Die Betonung liegt auf: soll. Die Menge ist im Vergleich zu dem großen Rest fast gering. Bisher wird von 28 100 Kubikmetern ausgegangen.

Wenn die bisher genehmigten 303 000 Kubikmeter in Konrad eingelagert würden, machte die Radioaktivität dort am Ende "nur" die eines einzigen Castor-Behälters mit hochradioaktivem Abfall aus, der Asse-Müll macht nur 1/200 eines Castors aus.

Wenn der letzte Atommeiler bis 2022 vom Netz geht, sollen bis spätestens 2027 alle Brennelemente aus den letzten Reaktoren raus sein. "Insgesamt werden für die Brennelemente aus Leistungsreaktoren etwa 1100 Transport- und Lagerbehälter benötigt", heißt es im Entsorgungsplan.