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Jean-Marie Le Pen macht im Familienstreit einen Rückzieher

Paris. Der Gründer des Front National, Jean-Marie Le Pen, verzichtet nach einem offenen Streit mit seiner Tochter auf die Kandidatur bei den Regionalwahlen. Stattdessen soll die Le Pen-Enkelin Marion Maréchal-Le Pen antreten. Christine Longin

Nach mehrtägiger Familienfehde haben sich im Hause Le Pen die Fronten geklärt. Der Gründer des rechtspopulistischen Front National (FN), Jean-Marie Le Pen, verzichtete am Montag auf Druck seiner Tochter auf eine Kandidatur bei den Regionalwahlen. Statt des 86-Jährigen erklärte seine Enkelin, die 25-jährige Abgeordnete Marion Maréchal-Le Pen, ihre Kandidatur in der südfranzösischen Region Provence-Alpes-Côte d'Azur. Die Entscheidung ist ganz im Sinne von Parteichefin Marine Le Pen, die ihren Vater vergangene Woche nach rechtsextremistischen Ausfällen hart gerügt hatte und ihn aufforderte, nicht in der für den FN aussichtsreichen Region anzutreten. Le Pen Senior wurden dort gegen die konservative UMP allerdings weniger Chancen eingeräumt als seiner Enkelin, die er bei seinem Verzicht als Kandidatin empfahl.

Die Parteiführung soll am Freitag über die Spitzenkandidatur entscheiden, um die sich auch der Jean-Marie Le Pen nahestehende Europaabgeordnete Bruno Gollnisch bewirbt. Dann könnten auch Sanktionen gegen den Parteigründer zur Sprache kommen, der in einem Radiointerview die Gaskammern in den Konzentrationslagern der Nazis erneut als "Detail der Geschichte" bezeichnet hatte. Kurz darauf setzte der FN-Ehrenpräsident in einem Interview mit der rechtsextremen Wochenzeitung "Rivarol" nach, in dem er den mit den Nazis kollaborierenden Marschall Pétain verteidigte. Das war für Marine Le Pen, die sich seit Übernahme der Parteiführung 2011 um eine "Entdämonisierung" des ausländer- und europafeindlichen FN bemüht, der Grund, mit ihrem Vater zu brechen.

Le Pen-Enkelin steht Ideen des Großvaters nahe

Ihre Nichte Marion, die 2012 als eine von zwei FN-Abgeordneten in die Nationalversammlung gewählt wurde, vertritt ähnliche nationalistische Standpunkte wie der Parteigründer, den sie am Wochenende traf. "Marion Maréchal verkörpert den national-konservativen Kurs, der klar dazu steht, rechts zu sein" , sagte der Politologe Jean-Yves Camus der Zeitung "Le Figaro". "Sie ist nicht weit weg von den Ideen ihres Großvaters, außer - und das ich wichtig - bei den heiklen Fragen." So hatte die studierte Juristin nach der Geburt ihrer Tochter im Herbst 2014 erklärt, sie habe ihre "patriotische Pflicht" getan.

Die rechtsextremen Äußerungen des Großvaters, der sie zum Einstieg in die Politik überredet hatte, verurteilte sie jedoch. "Ich bin grundsätzlich nicht einverstanden und kann solche Äußerungen nicht unterstützen", sagte die strenge Katholikin, die sich stark gegen die Homo-Ehe engagierte, mit einiger Verspätung der ultrakonservativen Zeitung "Valeurs actuelles".

Marine Le Pen hatte ihrer Nichte mehrmals ihre Unterstützung versichert und sie als "begabte Politikerin" bezeichnet. Doch die Parteichefin dürfte ihr Lob nicht ohne Hintergedanken ausgesprochen haben. "Marine Le Pen braucht Marion Maréchal, die viel weiter rechts steht, um die Wählerschaft im Südosten anzusprechen", schrieb die Zeitung "Le Monde". Bei der internen Wahl zum Zentralkomitee der Partei im November zeigte sich, wie beliebt die Nichte ist: sie bekam mit 80 Prozent die meisten Stimmen.