Er zieht damit den Schlussstrich unter eine lange Serie von Skandalen, in deren Folge gleich mehrere seiner Minister ausschieden und das verärgerte Volk seiner Partei LDP bei der Oberhauswahl die zweitschwerste Niederlage ihrer Geschichte bereitete. Doch die Wähler werden nicht darüber entscheiden, wer Nachfolger Abes wird. Denn die LDP hat weiter die Mehrheit im Unterhaus, das über den neuen Premier abstimmt. Um ein politisches Vakuum in der zweitstärksten Volkswirtschaft der Welt zu verhindern, will die Partei am 19. September einen Nachfolger für Partei- und Regierungschef Abe bestimmen.
Als die LDP Abe im vergangenen September im vergleichsweise jungen Alter von 52 Jahren nahezu einmütig zum Nachfolger des populären Junichiro Koizumi kürte, hatte sie gehofft, mit seinem jugendlichen Image Wahlen zu gewinnen. Doch vom Elan und Reformschwung, wie ihn Japan unter Koizumi erlebte, war schon bald nichts mehr spürbar. Zahlreiche Affären um handverlesene Mitglieder seines Kabinetts, von denen fünf zurücktraten und sich einer das Leben nahm, ließen bald Zweifel an Abes Führungsqualitäten aufkommen. Noch schwerer wog der Zorn der Bürger über die unlängst bekannt gewordene fehlerhafte Datenerfassung von Millionen von Rentenbeiträgen.
Abe war mit dem Traum von einem "schönen Japan" angetreten. Doch abgesehen von der Verbesserung der Beziehungen zu China und Südkorea bleibt von Abes Zielen nach Auffassung von Beobachtern wenig übrig. Nun wird sich zeigen, wen die LDP zum Nachfolger bestimmt. Sollte es wie von vielen erwartet Ex-Außenminister Taro Aso werden, würde die bisherige Politik wahrscheinlich fortgesetzt werden. Sollte jedoch jemand anderes aus den Reihen der LDP kommen, bleibt abzuwarten, welche Schwerpunkte er setzen wird.