China und Südkorea protestierten heftig gegen den Besuch des Heiligtums, in dem auch verurteilte Kriegsverbrecher verehrt werden. Verhaltenere Kritik kam von Taiwan und Singapur. Koizumi wies die Proteste als "unreif" zurück.
Koizumi hielt sich für rund zehn Minuten zum Gebet innerhalb des Heiligtums auf. Der Regierungschef sagte, er würde mit seinem Besuch alle Kriegstoten ehren und nicht unbedingt die Kriegsverbrecher. Tausende Menschen jubelten dem Regierungschef zu, darunter zahlreiche Veteranen und Nationalisten. Im Anschluss nahm Koizumi zusammen mit dem japanischen Kaiser Akihito an einer säkularen Zeremonie teil, bei der er sich für den "großen Schaden und das Leiden" entschuldigte, das Japan den asiatischen Nachbarn im 20. Jahrhundert zugefügt habe.
China und Südkorea, für die der Yasukuni-Schrein ein Symbol für die japanische Besetzung ihrer Länder in der Vergangenheit ist, äußerten scharfe Kritik. China bestellte den japanischen Botschafter in Peking ein und übergab ihm eine Protestnote, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Der Besuch stelle internationales Völkerrecht infrage und trete das Gewissen der Menschheit mit Füßen. Südkorea äußerte "tiefe Enttäuschung und Ärger" über den Besuch Koizumis, hieß es in einer Erklärung des südkoreanischen Außenministeriums. Ein Sprecher des taiwanischen Außenministeriums forderte Japan auf, "die Geschichte zu beachten" und eine aktive Rolle bei der Unterstützung von Frieden und Stabiliät in der Region zu spielen.
Koizumi wies die Kritik zurück und bezeichnete sie als "unreif". "Ich habe den Besuch gemacht, um allen, die für ihr Land und ihre Familie ihr Leben gegeben haben, meinen Respekt und meine Wertschätzung zu zeigen", sagte der 64-Jährige. Es sei nicht unbedingt richtig, alles zu tun, um China und Südkorea nicht zu verärgern. Der japanische Kabinettsminister Shinzo Abe, der als möglicher Nachfolger des im September aus dem Amt scheidenden Regierungschef gehandelt wird, stützte Koizumis Haltung. Der Ministerpräsident habe ausführlich erklärt, warum er den Schrein besuche. "Wenn China und Südkorea das missverstehen, müssen wir daran arbeiten, das Missverständnis auszuräumen", sagte Abe.
Koizumi hatte bereits bei seinem Amtsantritt 2001 angekündigt, den Schrein im Zentrum von Tokio am 15. August zu besuchen, aber dann jedes Jahr einen anderen Tag gewählt, wohl um noch schärfere Kritik zu vermeiden.
In dem Heiligtum werden neben den japanischen Kriegstoten auch 14 von einem internationalen Militärgericht nach 1945 als Hauptkriegsverbrecher zum Tode verurteilte Militärs verehrt. China und Südkorea protestieren regelmäßig gegen Koizumis Besuche am Schrein. Beide Länder waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Japan besetzt; sie sehen in dem Heiligtum ein Symbol der imperialistischen Vergangenheit Japans. (AFP/roe)