Eigentlich wollte er diesmal nicht für die Wahl zum Parteichef kandidieren, der dann gewohnheitsmäßig auch Regierungschef wird. Wegen der Krise in der DPJ habe er sich aber umentschieden: „Das Volk ist von der Politik enttäuscht. Wir müssen wieder von Neuem beginnen, um das Vertrauen zurückzugewinnen“, wurde er zitiert. Viel wird davon abhängen, ob er erstmal die Natur- und Atomkrise meistern kann.

In Fragen der Atomenergie befürwortet Seiji Maehara zwar an sich einen schrittweisen Ausstieg. Er tritt angesichts der hohen Staatsverschuldung für Haushaltsdisziplin an. Doch anders als Kan will er die Steuern erst dann erhöhen, wenn die Wirtschaft wieder auf stabilem Wachstumskurs ist. Außenpolitisch tritt der Absolvent der Elite-Universität Kyoto für eine starke Allianz mit Japans Sicherheitspartner USA ein. Zugleich hat Seiji Maehara sich in Bezug auf Japans mächtigen Nachbarn China als „Hardliner“ einen Namen gemacht. Maehara, der für klare und deutliche Worte bekannt ist, hatte 2005 als Parteichef mit seiner Äußerung für Wirbel gesorgt, China stelle eine „reale Gefahr“ dar. Von engen Vertrauten wird er als jemand beschrieben, der „nur ein Gaspedal, aber keine Bremse“ habe.

Als Außenminister war er im März dieses Jahres wegen einer Spende einer Koreanerin, deren Familie seit Generationen in Japan lebt und die er seit seiner Kindheit kennt, zurückgetreten. Politiker dürfen in Japan keine Spenden von „Ausländern“ annehmen.

Wegen dieser Affäre bezeichnen ihn manche Experten als vorbelastet, was keine besonders gute Ausgangslage für einen Premier sei – sollte er denn tatsächlich nächste Woche der jüngste Regierungschef werden, den Japan je hatte.