Matzker nimmt die Japaner aus Osaka, Tokio und Kyoto mit auf eine Reise zurück ins 14. Jahrhundert - da wurde das Gebäck erstmals urkundlich erwähnt. Er berichtet über August den Starken, über den jährlich gebackenen Dresdner Riesenstollen, das traditionelle Stollenmesser und andere Brauchtümer. Matzker erzählt auf Englisch und Deutsch, während die Gäste Mohn-, Mandel- und Rosinenstollen vernaschen. "Was ist das Geheimnis des Rezeptes?", fragt die Reiseleiterin Tonoko Yamashita und übersetzt auf japanisch.
Bereitwillig zeigt der Obermeister der Bäckerinnung Dresden die Zutaten für verschiedene Stollensorten: Rumrosinen, kandierte Orangen- und Zitronenschalen, Mehl, Butter, Zitronensaft, Hefe, Salz, Zucker, süße und bittere Mandeln, Mohn. So weit - aber die genaue Rezeptur verrät er nicht. "Ich sage nur: Das Rezept für den Mohnstollen stammt von meinem Großvater und wurde seit 1933 nicht verändert." Großvater Ernst Matzker war 1933 aus Schlesien gekommen und hatte die Bäckerei eröffnet.
Die Idee zum "Stollen-Event" hatte die Familie Matzker kurz nach der Wende. Seitdem waren viele Nationalitäten zu Gast, darunter Finnen, Amerikaner, Schweizer. Japaner, die in Dresden an dritter Stelle der ausländischen Besucher stehen, sind regelmäßig dabei. Nach Auskunft der Dresden Werbung und Tourismus GmbH übernachten im Jahr etwa 36 000 Japaner in der Landeshauptstadt.
In diesem Jahr habe er weniger Gäste gehabt, sagt Matzker: "Nach der Flut kommen ja allgemein weniger Touristen." Er könne von Glück sprechen, dass die Bäckerei nicht vom Hochwasser der nahen Elbe zerstört wurde. "Eine von fünf Verkaufsstellen mussten wir allerdings schließen, da war nichts mehr zu machen." Für die kommenden Jahre plant der umtriebige Bäcker, zusammen mit Touristen und Dresdnern zu backen. "Die Idee ist, sonntags Backkurse über drei Stunden anzubieten", sagt der 59-Jährige. Geprüft werden müssen noch die Hygienevorschriften und Arbeitsschutzbedingungen.
Die japanische Reisegruppe ist mittlerweile dabei, sich im Laden mit Stollen einzudecken. "Die Leute sind begeistert, hätten aber gerne das Rezept gehabt und den Teig probiert", sagt die Reiseleiterin. Doch das hat Matzker immer noch nicht preisgegeben. Für acht Tage ist die Gruppe in Deutschland, die Weihnachtsmärkte in Berlin, Dresden, Nürnberg und München stehen auf dem Programm. Als der Bus nach einer Stunde abfährt, ist nun auch für die Familie Matzker der Arbeitstag bald zu Ende.