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Janukowitschs Millionen in Europa auf Eis gelegt

Viktor Janukowitsch wendet sich am Freitag aus der russischen Stadt Rostow, in die er geflüchtet ist, an die Ukrainer.
Viktor Janukowitsch wendet sich am Freitag aus der russischen Stadt Rostow, in die er geflüchtet ist, an die Ukrainer. FOTO: dpa
Genf/Wien. Schlag gegen die gestürzte ukrainische Führung: Vermögen in bislang unbekannter Millionenhöhe liegen im Ausland nun auf Eis. Zudem eröffnen Ermittler Strafverfahren wegen Geldwäsche. Ex-Präsident Viktor Janukowitsch meldete sich unterdessen aus Russland. dpa/uf

Millionenvermögen des gestürzten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch und seiner Gefolgsleute im Ausland liegen seit Freitag auf Eis: Die Schweiz, Österreich und Liechtenstein ordneten die Sperrung von jeweils zwischen 18 und 20 Konten an. Zudem eröffnete die Staatsanwaltschaft der Eidgenossenschaft gegen Janukowitsch und dessen Sohn Alexander Strafverfahren wegen des Verdachts der "schweren Geldwäsche". Bereits am Donnerstag wurde eine Firma des Sohns in Genf durchsucht, teilte die Behörde mit.

Ehemalige Minister betroffen

In Österreich bezeichnete Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) den Schritt als erste Vorsichtsmaßnahme angesichts der noch andauernden Diskussion auf EU-Ebene zur Umsetzung möglicher Sanktionen. Das Fürstentum Liechtenstein gab die Sperrung der Konten von 20 Mitgliedern der früheren ukrainischen Regierung auf der Grundlage eines Gesetzes über die Durchsetzung internationaler Sanktionen bekannt. Die Regierung in Bern stellte per Verordnung jegliche Handlung unter Strafe, die eine "Verwaltung oder Nutzung" dieser mutmaßlich durch Korruption angehäuften Gelder ermöglicht.

Viele der 20 Betroffenen auf der vom Schweizer Bundesrat veröffentlichten Liste sind ehemalige Minister der gestürzten Regierung. Unter ihnen sind der ehemalige Regierungschef Nikolai Asarow sowie die Ex-Minister für Finanzen, Juri Kolobow, und Justiz, Olena Lukasch, sowie der ehemalige Generalstaatsanwalt Viktor Pschonka.

Ex-Präsident spricht in Rostow

Unterdessen warnte der entmachtete und aus seiner Heimat geflohene ukrainische Präsident Janukowitsch vor einem Blutvergießen auf der Halbinsel Krim. Was in dem Gebiet geschehe, sei eine "natürliche Reaktion" auf die Machtergreifung durch "Banditen" in Kiew, sagte er am Freitag in der südrussischen Stadt Rostow am Don. "Die Krim-Bewohner werden sich natürlich nicht den Nationalisten beugen", betonte Janukowitsch. Dort gebe es jetzt eine Selbstverteidigung.

Die mehrheitlich russischstämmige Bevölkerung schütze ihren Grund und Boden. Die Krim solle aber mit einer erweiterten Autonomie im Bestand der Ukraine bleiben, mahnte er. Bei seiner im russischen Staatsfernsehen übertragenen Pressekonferenz warnte er mehrfach vor einem Auseinanderbrechen der Ukraine.

Für das "Chaos und die Katastrophe" seien EU und USA verantwortlich, die die "Banditen-Führung in Kiew" bei ihrem Umsturz unterstützt hätten. Dass es viele Tote und Verletzte gab, sei Folge dieser Politik gewesen. Mehrere Außenminister der Europäischen Union hätten vergangene Woche in Kiew in seinem Beisein eine Vereinbarung für den Ausweg aus der Krise ausgehandelt. Doch niemand habe sich letztlich daran gehalten, kritisierte Janukowitsch.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte in Kiew verhandelt. "Ich bin betrogen worden", betonte Janukowitsch, der kaum staatsmännisch, aber aufgeregt sprach. Er kündigte an, aus dem russischen Exil weiter für die Zukunft und die Einheit seines Landes zu kämpfen.

Er wolle erst zurückkehren, wenn die "rechtmäßige Ordnung" hergestellt sei. In seinem Land sei eine faschistische Minderheit an die Macht gekommen. "Ich halte die Oberste Rada für nicht legitim", sagte Janukowitsch über die Parlamentsarbeit. Wiederholt entschuldigte er sich bei seinen Landsleuten, dass ihm die Lage entglitten sei. Geflohen sei er, um sein Leben und das der Angehörigen zu schützen.

Putin telefoniert mit Merkel

Kremlchef Wladimir Putin rief gestern angesichts zunehmender Spannungen auf der ukrainischen Halbinsel Krim dazu auf, eine weitere Eskalation der Situation im Nachbarland zu vermeiden. Bei Telefonaten mit westlichen Staatenlenkern wie Bundeskanzlerin Angela Merkel habe der russische Präsident betont, dies besitze "absolute Priorität". Das teilte der Kreml in Moskau am Freitag mit. Merkel und Putin vereinbarten, weiterhin engen Kontakt auch zum Thema Ukraine zu halten.

Wegen der explosiven Lage beantragte die Ukraine eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates. Die offizielle Anfrage sei am späten Freitagvormittag (Ortszeit) in New York eingegangen, bestätigte die Präsidentin des Gremiums, Litauens UN-Botschafterin Raimonda Murmokaite. Beobachter erwarteten die Zusammenkunft der 15 Ratsmitglieder am heutigen Samstag.