Auch als sogar ein ausländischer Kollege ihn als "Spießbürger" titulierte, brachte ihn das nicht aus der Fassung. Der 50-jährige Christdemokrat, der als Außenseiter eine atemberaubend steile Karriere bis ins Amt des Regierungschefs machte, hat seine eigenen Überzeugungen.
Wenn der fromme Protestant sich unter die Bürger begibt, spricht er am liebsten über Anstand, Respekt, Familie und die Verantwortung eines jeden. Der Jurist aus Capelle aan den IJssel findet sich keineswegs verklemmt. Für ein Fernseh-Porträt ließ sich Balkenende als Radler in Berlin filmen. Köstlich amüsierte er sich über Menschen, die auf Tischen tanzten. Ein Bier in der Hand, stimmte er selig in deren Gesang ein.
Wenn Balkenende sich zu Unrecht kritisiert fühlt, wird er aber ungemütlich. Als guter Debattierer setzt er sich dann gekonnt zur Wehr. Die Erfolge seiner Wirtschaftspolitik weiß er detailliert aufzuzählen. Kritikern seiner Sozialpolitik hält er entgegen, dass eine gute ökonomische Entwicklung Grundlage dafür ist, die Lage der sozial Schwachen zu verbessern. "Das war eine beinharte Schufterei", sagte er auch im Wahlkampf immer wieder. Nun kann er wahrscheinlich im "Torentje" ("Türmchen"), dem kleinen Büro des Ministerpräsidenten am mittelalterlichen Binnenhof in Den Haag, weiterschuften.