Auf der Versammlung hatte eine Gruppe von Delegierten vorgeschlagen, Jan Nuck für eine verkürzte Amtszeit zu nominieren, da sich kein Kandidat um den Vorsitz der Domowina beworben hatte. Bereits auf der nächsten Hauptversammlung, die in zwei Jahren stattfindet, soll laut Beschluss der Delegierten entgegen dem bisherigen Vierjahresrhythmus ein neuer Vorsitzender gewählt werden. In diesen zwei Jahren sollen auch die Voraussetzungen für eine grundlegende Neustrukturierung der Domowina geschaffen werden. Laut Beschluss der Hauptversammlung wird der Vorsitzende ab 2011 hauptamtlich tätig sein und die Geschäftsstelle im Bautzener Haus der Sorben leiten. "Es ist immer deutlicher geworden, dass die Aufgaben im Ehrenamt nicht zu bewältigen sind", plädierte Jan Nuck, der die Funktion selbst für den Rest seiner Amtszeit ehrenamtlich ausüben will, für diese Änderung. "Es ist eine Illusion zu glauben, dass sich noch jemand findet, der diese Funktion im Ehrenamt ausübt", erklärte er. Weiterhin beschlossen die Delegierten, "die Struktur der Geschäftsstelle zu analysieren und auf der Grundlage neuer Erkenntnisse über die nationale Arbeit zu modifizieren". Ziel sei es vor allem, die Kommunikation zwischen dem Vorstand und den Mitgliedsvereinen zu verbessern. Der 2011 neu zu wählende Vorsitzende soll die sich daraus ergebenden Änderungen umsetzen. Zuvor hatte Jan Nuck in einer aufrüttelnden Rede Bilanz der vergangenen zwei Jahre seit der letzten Domowina-Hauptversammlung gezogen. Darin stellte er fest, dass "die sorbischsprachige Substanz in der Lausitz von Jahr zu Jahr abnimmt". Die Familien pflegten die sorbische Sprache zu wenig und vermittelten sie ihren Kindern nicht als Muttersprache. "Die demografische Entwicklung wird zu weiteren Verlusten führen", so Nuck, der auch auf die Erfolge des Witaj-Projektes verwies, das bereits im frühen Kindesalter die zweisprachige Erziehung fördern soll. Diese Erfolge allerdings reichten noch nicht aus, um den Erhalt der sorbischen Sprache flächendeckend zu sichern. Außerdem habe laut Nuck die Schulnetzplanung des früheren Landkreises Kamenz den Bemühungen um den Erhalt der sorbischen Sprache empfindlichen Schaden zugefügt. Verhalten optimistisch äußerte sich Nuck zur finanziellen Situation der Sorben. "Es ist erfreulich, dass der Bund sowie die Länder Sachsen und Brandenburg ihre Finanzierungsanteile an der Stiftung für das sorbische Volk erhöhen", sagte er. "Allerdings bedauern wir, dass das in Aussicht stehende Finanzierungsabkommen wieder nur Sicherheit für fünf Jahre, also bis 2014, gibt." Außerdem hätte man sich für die kommenden Jahre einen Inflationsausgleich gewünscht. Der Beauftragte der Bundesregierung für nationale Minderheiten, Christoph Bergner, kündigte an, dass das Abkommen voraussichtlich noch im April unterzeichnet werde. Der alte und neue Vorsitzende forderte von den Sorben, mehr nationales Selbstbewusstsein zu zeigen: "Wir Sorben brauchen sorbische Patrioten im wahrsten Sinne des Wortes. Ich verliere die Hoffnung nicht, dass zu nationalen Höhepunkten in unseren Schulen die sorbische Hymne erklingt und die sorbische Fahne weht." In der Vergangenheit seien es immer wieder die Sorben selbst gewesen, die den Staat aufgefordert hätten, seiner Verantwortung für die sorbische Sprache und Kultur nachzukommen - "dies ist auch heute mein einzig möglicher Appell", rief Nuck unter dem Beifall der Delegierten.