Während der Kultsänger des legendären Hits "Hätt' ich noch mal die Wahl" in der Heimat nur noch selten Auftritte hat, schließt man ihn in der Türkei in die Arme: Jan Gregor (60) aus Leipzig.
Kürzlich flog er wieder in die Türkei. Nicht wie sonst, nur in den Urlaub. Im Gepäck hat er seine folkloristischen Bühnenkostüme, das Tamburin, CDs "und keine Tabletten", verrät Jan Gregor. Körperlich ist er topfit. So manch jungem Hüpfer von heute macht der alte Hase der DDR-Unterhaltung in punkto Kondition noch was vor. Doch seine Seele hat durch die Wende einen Knacks bekommen, machte ihn empfänglich für Depressionen. Zu tief sitzt der Schock des Karrieretiefs, nach dem Hoch, das er ab Mitte der Siebzigerjahre erlebte. Mit seinem rassigen Aussehen und dem Hang zu Zigeunerliedern galt Jan Gregor als Exot.
Schon während des Studiums an der Dresdner Hochschule für Musik lernte er das weibliche Exotikpendant Sandra Mo kennen. "Die Chemie stimmte sofort zwischen uns", meint Jan Gregor. Gemeinsam sangen sie leidenschaftlich gern Zigeunerweisen. Erst für sich, dann zunehmend fürs Dresdner Publikum. Dabei wurden sie entdeckt und als Schlagerduett-Paar aufgebaut. Genau vor 30 Jahren sangen sie sich mit ihrem größten Hit "Hätt' ich noch mal die Wahl" in die Herzen. Jeder Schlagerfan kann noch heute die Melodie mitsingen und erinnert sich gern an die damals als schrill geltenden Bühnenkostüme, "die wir selbst entwarfen. Was haben wir gefärbt und gebatikt", denkt Jan Gregor lachend zurück. Zehn Jahre lang gehörte das Gesangspaar zu den Top-Unterhaltungskünstlern der DDR. Nach einem privaten Streit trennte es sich. Jeder ging bis 1990 er folgreich seinen eigenen Weg als Solist.
Nach der Wende blieben die Auftrittsangebote aus. Deshalb fiel der Sänger in ein tiefes Loch. Er zog sich zurück, igelte sich in seiner Leipziger Wohnung mit Blick aufs MDR-"Riverboat" am Karl-Heine-Kanal ein. Nur mit Tabletten überstand Jan Gregor den Karriere-Knick. Als wahre Stimmungsaufheller wirken dagegen seine regelmäßigen Türkeibesuche. "Die Mentalität und die Musik passen zu mir. Dort fühle ich mich total wohl", schwärmt er und sinniert: "Man gehört mit 60 noch nicht zum alten Eisen, wie in Deutschland."
Am Bosporus fand er viele neue Freunde, die ihm inzwischen auch so manch einen Auftritte vermitteln. Derzeit lernt Jan Gregor sogar türkisch, "weil ich demnächst einen deutsch-türkischen Popsong aufnehmen möchte", verrät er. "Hätt' ich noch mal die Wahl - ich würde für immer in der Türkei leben", spielt er doppeldeutig auf seinen größten Hit an.