| 09:11 Uhr

Jahrelange Marter beendet

Zufrieden mit der Wundheilung: Patient Karl Krause im Gespräch mit Dr. med. Mojtaba Ghods.
Zufrieden mit der Wundheilung: Patient Karl Krause im Gespräch mit Dr. med. Mojtaba Ghods. FOTO: Klinik
Forst. Nach einer Operation heilte die Wunde an der Bauchdecke eines betagten Patienten einfach nicht zu. In der Lausitz Klinik Forst konnte ihm endlich geholfen werden. Von Sophia Wagner und Theresa Decker

Der 1. Februar des vergangenen Jahres sollte sein Glückstag werden. Ob Zufall oder nicht, der Beeskower Karl Krause bekam an diesem Montag vor gut einem Jahr den Tipp, der sein Leben wieder in gesunde Bahnen lenken sollte. 2011, fünf Jahre zuvor, wurde der heute 84-jährige Karl Krause in einem routinemäßigen Eingriff am Bauch operiert. Damit sollte ein langjähriges Behandlungsmartyrium starten. Im Anschluss an die OP stellte sich die gewünschte Wundheilung im Bauchdeckenbereich nicht ein - die Wunde blieb offen, heilte nicht zu.

Aber auch eine schier endlose Abfolge von Krankenhausaufenthalten mit weiteren Operationen konnte die Wunde der Bauchdecke nicht schließen und heilen. Karl Krauses Lebensqualität schwand dahin, Schmerzen gehörten nun zu seinem Alltag. Auch an ein selbstständiges Versorgen, freies Bewegen oder gar ein selbstbestimmtes Gestalten des eigenen Tages - daran war nicht mehr zu denken. Ein Herzinfarkt war 2014 der nächste gesundheitliche Schicksalsschlag. Der Herzinfarkt verlangte in seiner Folge nach einer neuen Herzklappe. An eine derartig große Operation konnte jedoch nur bei einer Wundheilung der Bauchwunde gedacht werden. Denn eine Herzoperation bei einer vorhandenen, offenen Wunde war aufgrund der großen Infektionsgefahr ausgeschlossen.

Für Karl Krause schien mit dieser Tatsache alles verloren. Er hatte keinen Lebensmut mehr, konnte infolge der Herzschwäche nicht mehr laufen, geschweige denn die Treppen in seinem Haus steigen. Stattdessen fand er sich mit einem täglich notwendigen und sehr schmerzhaften Verbandswechsel seiner Bauchwunde ab. Hoffnung und Zuversicht waren nur noch ein zarter Schimmer. Dann kam der 1. Februar 2016. Durch einen Zufall erfuhr Karl Krause von der Plastischen Chirurgie in der Lausitz Klinik Forst. Schnell war der Kontakt hergestellt, und schon kurze Zeit später wurde er stationär in Forst aufgenommen. "In bessere Hände hätte ich mich nicht begeben können", erinnert sich Karl Krause heute. Das Ärzteteam um den Chefarzt Dr. med. Mojtaba Ghods fand eine 15 mal 14 Zentimeter große offene Bauchwunde bei Karl Krause vor, die seit sechs Jahren trotz mehrfacher Operationen und regelmäßiger Verbandswechsel nicht heilte. Seine Eingeweide waren nur noch mit einer sehr dünnen Schicht Gewebe bedeckt.

"Ein so langer und schwerer Krankheitsverlauf ist eher selten. Aber durch unsere langjährige Erfahrung war uns schnell klar, dass Herr Krause trotzdem eine gute Chance auf Heilung hatte", erinnert sich Chefarzt Dr. Ghods. Das Team startete die Behandlung damit, die Wunde zweimal in Vollnarkose zu reinigen und gleichzeitig infiziertes Gewebe zu beseitigen. Nach einer Woche in der Klinik und einer durch die ergriffenen Maßnahmen keimfreien Wunde war Dr. Ghods davon überzeugt, die Operation zu wagen. Geplant war, den offenen Bereich am Bauch durch einen sogenannten Rotationslappen und zusätzliche Spalthaut zu verschließen.

"Bei so großen offenen Wunden und vor allem bei einem so langen Therapieverlauf muss der Bereich abgedeckt werden, denn hier wird sich keine eigene Haut mehr neu bilden. Eine solche Abdeckung erfolgt am besten mit einem körpereigenen Hautstück", erklärt Dr. Ghods das Operationsverfahren. Dieses Transplantat, der Rotationslappen, wurde vom angrenzenden Unterbauch entnommen und auf die offene Wunde gedreht/rotiert. Vom Oberschenkel des Patienten wurde die Spalthaut gewonnen. Operationen mit sogenannten Lappen sind ein fester, routinemäßiger Bestandteil des Arbeitsspektrums Plastischer Chirurgen. Diese Operation jedoch war durch die Vorgeschichte von Karl Krause und vor allem durch seine Herzerkrankung für das gesamte OPTeam sehr anspruchsvoll.

Der Chefarzt Dr. Ghods ist seit Jahren engagiert in der Behandlung chronischer Wunden. Am Potsdamer Standort ist seine Abteilung inzwischen für Stationäres Wundmanagement in der Klinik beim ICW e.V. Wundsiegel zertifiziert - als einzige plastische-chirurgische Abteilung im Land Brandenburg. Diese Expertise spüren natürlich auch seine Patienten an den anderen Standorten. Nach der erfolgreichen Operation beobachteten dann alle gespannt den Verlauf der Wundheilung. Ziemlich schnell war klar: Diesmal hatte es geklappt, die Wunde heilte problemlos zu. Nach 16 Tagen konnte Karl Krause aus der Lausitz Klinik Forst entlassen werden. Ihr Ziel, ihm so schnell wie möglich seine Herzklappen- OP zu ermöglichen, hatte das Team erreicht.

"Das war auch für unser Team eine sehr schöne Erfahrung, ja: ein besonderer Fall! Wir konnten Herrn Krause sein Leben zurückgeben. Das erleben wir so deutlich auch nicht alle Tage!", freut sich Chefarzt Dr. Ghods auch heute noch. Die Herzklappen-OP war ebenfalls erfolgreich. Mit neuer Lebensqualität zog auch neue Motivation bei Karl Krause ein. Der 84- Jährige plant nun wieder Reisen, steckt sich Ziele. Die Freude und das Glücksempfinden kann Karl Krause auch heute noch kaum in Worte fassen. Ebenso seine Dankbarkeit, nach diesen vielen Jahren das richtige Ärzteteam in der Lausitz Klinik Forst getroffen zu haben, das seine Marter beenden konnte.

Chefarzt Dr. med. Mojtaba Ghods

Der im Iran geborene Chefarzt Dr. med. Mojtaba Ghods leitet seit 2008 die damals neu gegründete Klinik für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Mikrochirurgie am Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann. Seit der Zugehörigkeit der Lausitz Klinik Forst zur Klinikgruppe Ernst von Bergmann in 2014 hat er die dortige Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie als Chefarzt aufgebaut. An allen drei Standorten der Klinikgruppe vertreten, ist unter seiner Leitung der personell stärkste Fachbereich für plastische Chirurgie in Berlin/Brandenburg entstanden. Dr. Ghods ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Facharzt für Chirurgie und trägt die Zusatzbezeichnung Handchirurg. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit ist er auch wiederholt Sachverständiger bei Gerichtsverfahren. Er besitzt als einziger Arzt im Land Brandenburg die volle Weiterbildungsermächtigung für das Fach Plastische und Ästhetische Chirurgie sowie für das Fach Handchirurgie und engagiert sich sehr für die Ausbildung der nächsten Ärzte-Generation. Er ist Dozent an der Universität Potsdam/Sport- und Gesundheitswissenschaften. In vielen Vorträgen an allen Standorten der Klinikgruppe Ernst von Bergmann informiert er auch die medizinischen Laien über sein Fachgebiet.

Lausitz Klinik Forst - wohnortnah versorgt

Die Lausitz Klinik Forst ist ein Krankenhaus der Grundversorgung mit knapp 200 Betten sowie einer Zentralen Notaufnahme für die wohnortnahe Versorgung von Patienten im Spree-Neiße-Kreis. Zum Leistungsspektrum der Lausitz Klinik Forst gehören neben einer weit über die Forster Stadtgrenzen hinaus bekannten Geburtshilfe auch noch folgende Fachbereiche: Chirurgie, Unfallchirurgie, Intensivmedizin und Anästhesie, Operationsbereich, Geriatrie inkl. Tagesklinik, HNO, Innere Medizin, Gynäkologie und Geburtshilfe, Urologie, Reha-Abteilung mit Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie, Funktionsdiagnostik, Psychologie, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie. Die Lausitz Klinik Forst gehört zur Klinikgruppe Ernst von Bergmann. www.lausitz-klinik.de